Wirtschaft : Thyssen und Krupp einigen sich über Fusionsdetails

DÜSSELDORF (rtr).Die beiden Traditionskonzerne Thyssen und Krupp haben sich auf ihren Verschmelzungsvertrag geeinigt und das mit Spannung erwartete Tauschverhältnis ihrer Aktien festgelegt.Die Unternehmen teilten am Freitag mit, die Wirtschaftsprüfer hätten ein Bewertungsverhältnis von zwei Drittel zu einem Drittel zugunsten der umsatzstärkeren Thyssen AG ermittelt.Thyssen-Aktionäre erhalten damit bei der Fusion für eine 50-DM-Aktie zehn Stückaktien der neuen Firma Thyssen Krupp AG.Krupp-Aktionäre erhalten 7,88 Stückaktien sowie einen Barausgleich von drei Pfennig.

Die neue Thyssen Krupp AG, die auf einem Umsatz von rund 70 Mrd.DM kommen und über 180 000 Mitarbeiter beschäftigen wird, repräsentiert nach dem gemeinsamen Gutachten einen Firmenwert von über 35 Mrd.DM.Die Wirtschaftsprüfer ermittelten einen Unternehmenswert von 23,670 Mrd.DM für Thyssen und von 11,835 Mrd.DM für Krupp.Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Anzahl der Aktien beider Gesellschaften ergibt sich daraus ein Unternehmenswert je Aktie von 690,09 DM für Thyssen und 543,82 DM für Krupp, was einem Wertverhältnis von eins zu 0,788 enspricht.

Bei einem Grundkapital von 2,6 Mrd.DM wird die Mehrheit der neuen Gesellschaft bei freien Aktionären liegen.Auf sie entfallen nach derzeitigem Stand 62 Prozent der Aktien.Bei den Großaktionären werden 38 Prozent liegen, davon 16,75 Prozent bei der Krupp-Stiftung und 7,51 Prozent beim Staat Iran.Stiftung und Iran halten derzeit mehr als 70 Prozent der Anteile bei Krupp.

Die Vorstände von Thyssen und Krupp haben die Fusionsverhandlungen mit der Abzeichnung des Verschmelzungsvertrages abgeschlossen.Der Verschmelzungs-Bericht soll Ende Oktober publiziert werden.Die Börseneinführung und der Aktienumtausch sind für Anfang März 1999 geplant.Sie werden von der Commerzbank und der Dresdner Bank abgewickelt.

Mit der gemeinsamen Bewertung haben Thyssen und Krupp eine wichtige Fusions-Hürde genommen.Auf den neuen Firmennamen Thyssen Krupp AG, den doppelten Firmensitz in Essen und Duisburg und die Doppelspitze aus den heutigen Konzernchefs Ekkehard Schulz bei Thyssen und Gerhard Cromme bei Krupp hatte man sich schon im Frühjahr geeinigt.

Über die Bewertung und das Umtauschverhältnis war seit Bekanntwerden der Fusionsabsicht im November vorigen Jahres spekuliert worden.An der Börse und bei den Banken war seit dem Frühjahr mit einer Relation zwischen 65 und 68 Prozent für Thyssen und entsprechend 32 bis 35 Prozent für Krupp gerechnet worden.Die Börse reagierte freundlich auf die Veröffentlichung.

Unter Analysten herrschte die Meinung vor, mit dem Umtauschverhältnis könnten alle Seiten leben.Die Gefahr, daß die Aktionäre ihre Zustimmung zur Fusion verweigern könnten, wird in den Research-Abteilungen der Banken nicht gesehen.Allerdings warnte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vor einer falschen Bewertung.Falls die Firmen mit dem Gutachten keine "Punktlandung" geschafft hätten, drohten dem neuen Unternehmen Verfahren von Kleinaktionären.Schon der Bewertungsirrtum um einen Prozent hätte zur Folge, daß ein Barausgleich von rund 300 Mill.DM zu zahlen wäre, erklärte die DSW,.Die Aktionäre werden auf getrennten außerordentlichen Hauptversammlungen im November und Dezember über die Fusion befinden.Die Bankgesellschaft Berlin empfahl am Freitag, Thyssen-Aktien auch weiterhin überzugewichten.

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