Wirtschaft : ThyssenKrupp mit milliardenschwerem Kaufangebot

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Konzern will Joint Venture der Mannesmann-Tochter mit Siemens weiterführen - Mannesmann favorisiert weiter Börsengangbir

Der ThyssenKrupp-Konzern hat ein milliardenschweres Angebot für den Kauf der Mannesmann-Techniksparte Atecs vorgelegt. Wie Thyssen-Krupp am Freitag nach einer Aufsichtsratsitzung mitteilte, wird Mannesmann Atecs in der Offerte mit 8,75 Milliarden Euro oder rund 17 Milliarden Euro bewertet. Das Angebot von ThyssenKrupp erstrecke sich auf hundert Prozent der Aktien des Mannesmann-Technologie-Bereichs. Das geplante Joint Venture der Atecs-Autosparte VDO mit Siemens könne nach einer Übernahme weitergeführt werden, hiess es.

Einen genauen Kaufpreis nannte ThyssenKrupp nicht. Der zu zahlende Preis ermittle sich auf Grundlage des Unternehmenswerts von 8,75 Milliarden Euro, betonte ThyssenKrupp. Davon abgezogen würden Pensionsrückstellungen sowie Nettofinanzverbindlichkeiten. Zur Finanzierung der Atecs sollten keine Unternehmensteile verkauft werden. Atecs solle nach einer Übernahme "für zwei bis drei Jahre als Einheit mit eigenem Vorstand und eigenem Aufsichtsrat bestehen". Das Angebot umfasse nicht die Bereiche Uhren, Röhren und sonstige Beteiligungen mit der Beteiligung an der Ruhrgas AG.

ThyssenKrupp betonte, das Unternehmen werde seine Konzentration auf die Kerngeschäfte Automobil-Zulieferaktivitäten, Aufzüge und die Maschinenbaubereiche fortführen und den Dienstleistungsbereich weiterentwickeln. Parallel dazu werde der Börsengang von ThyssenKrupp Steel noch in diesem Jahr umgesetzt.

Mannesmann Unternehmenssprecher Manfred Söhnlein wollte das ThyssenKrupp Angebot nicht kommentieren. Das Angebot verändere aber nichts an der Tatsache, dass die für den Nachmittag ursprünglich geplante Sondersitzung des Aufsichtsrates über die Zukunft der Techniksparte Atecs nicht stattfände. Die Sitzung war am Morgen abgesagt worden, weil von ThyssenKrupp noch kein Angebot vorlag. Die Aufsichtsräte sollten sich nun voraussichtlich am Mittwoch mit der geplanten Zusammenarbeit zwischen der Atecs-Autosparte VDO und Siemens befassen. Mannesmann teilte auch mit, dass die für Dienstag geplante Bilanzpressekonferenz auf unbestimmte Zeit verschoben worden sei. Mannesmann-Chef Klaus Esser will den Verkauf unbedingt verhindern und die Techniksparte wie geplant im Juni an die Börse bringen. Esser sieht den Wert des Konzern-Teils dabei bei bis zu zehn Milliarden Euro. Das Tauziehen um Atecs hatte in der vergangenen Woche begonnen: ThyssenKrupp hatte dem neuen Mannesmann-Eigner Vodafone AirTouch offenbar an Esser vorbei eine Übernahme vorgeschlagen. Esser hatte daraufhin erklärt, die Tätigkeiten beider Firmen passten nicht zusammen. Vodafone betonte damals, es habe wegen der ausstehenden Genehmigung der Mannesmann-Übernahme durch die EU-Behörden noch keine Entscheidungsbefugnis.

Esser hatte vor knapp zwei Wochen die Zusammenlegung von VDO mit der Autosparte von Siemens in Aussicht gestellt. Gerade an diesem Bereich ist auch ThyssenKrupp interessiert, weil es den eigenen Autobereich, der sich bislang eher auf traditionelle Komponenten wie Chassis konzentriert, mit elektronischen Fahrzeugsystemen ideal ergänzen würde.

Atecs steht für "advanced technologies". Zu Atecs zählen die fünf Mannesmann-Gesellschaften, die in Teilbereichen jeweils Weltmarktführer sind: Rexroth (Hydraulik), Dematic (Logistiksysteme), Demag Krauss Maffei (Produktionstechnik), Sachs (Automobilkomponenten und Kupplungen) und VDO (Cockpit- und Navigationssysteme). 1999 setzte das Unternehmen mit knapp 90 000 Mitarbeitern rund zwölf Milliarden Euro um. Der Gewinn vor Sonderbelastungen lag bei 400 Millionen Euro.

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