Tickets : Bahnkunden sollen sich selbst bedienen

Der neue Zuschlag macht den Ticketkauf am Schalter unattraktiv. Die Preise steigen ab Mitte Dezember insgesamt um 3,9 Prozent.

Maren Peters
Bahn
Selbst ist der Kunde. Schon jetzt werden nur noch rund 40 Prozent der Bahn-Tickets am Schalter gekauft. -Foto: dpa

Berlin - Die Deutsche Bahn will ihren Kunden den Ticketkauf am Schalter abgewöhnen. Wer das Normal- oder Fernverkehrsbillet künftig am Tresen kauft, muss ab Mitte Dezember mit einer saftigen Extragebühr von 2,50 Euro rechnen – zusätzlich zu den angekündigten Fahrpreiserhöhungen von durchschnittlich 3,9 Prozent. Bei kurzen Strecken sei der Aufschlag besonders teuer, räumte Karl-Friedrich Rausch, für den Personenverkehr zuständiger Bahnvorstand, am Freitag in Berlin ein. Gleichzeitig verteidigte er die neuen „Bedienzuschläge“. Rund 60 Prozent aller Bahntickets würden schon jetzt am Automaten oder im Internet gekauft, bei kurzen Strecken sei der Anteil noch höher.

Die neuen Preisregeln treten mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember in Kraft. Die Deutsche Bahn hatte die Verteuerung bereits Anfang August bei Bekanntgabe der Halbjahreszahlen angekündigt, bislang aber keine Details genannt. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern die Tickets gleich zweimal verteuert, zuletzt im Dezember um durchschnittlich 2,9 Prozent.

Wer beispielsweise mit dem ICE in der zweiten Klasse von Berlin nach Hamburg fährt, muss ab Mitte Dezember insgesamt 68 Euro zahlen und damit drei Euro mehr als bisher (siehe Grafik) – vorausgesetzt, er kauft das Ticket am Automaten oder im Internet. Beim Kauf am Schalter müsste er insgesamt 5,50 Euro drauflegen. Wer sich dagegen nur persönlich beraten lässt, anschließend aber das Ticket am Automaten kauft, spare den „Bedienzuschlag“, erklärte Bahnvorstand Rausch. Die 7000 neuen Automaten, die bis 2011 aufgestellt werden, würden dafür „spürbar“ schneller und einfacher.

Verbraucherschützer kritisierten die Verteuerung. „Hier werden nicht die Erwartungen des Verbrauchers in den Vordergrund gestellt, sondern die Bedürfnisse des Kapitalmarktes bedient“, sagte Steffen Küßner von der Verbraucherzentrale Bundesverband mit Blick auf den geplanten Börsengang. Der Fahrgastverband Pro Bahn nannte die Erhöhung „strategisch falsch“. Sie schrecke Kunden ab, die gewillt seien, von anderen Verkehrsmitteln auf die Bahn umzusteigen, sagte Verbandschef Karl-Peter Naumann.

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