Tiefer Sturz : Einstiger Reformheld Hartz im Visier der Justiz

Es ist das bittere Ende einer großen Erfolgsgeschichte: Staatsanwälte ermitteln gegen den ehemals mächtigen Arbeitsdirektor von VW, Peter Hartz.

Braunschweig - Der einst hoch geschätzte Berater für Politik und Wirtschaft, Kanzlerfreund, IG-Metall-Mitglied und Vater der nach ihm benannten Arbeitsmarktreformen steht vor den Scherben seines Lebenswerks.

Als langjähriger Personalvorstand bei VW stand Hartz wie kein Zweiter aus der Riege der Manager für Konsens und einen ganz besonderen Zusammenhalt mit der Arbeitnehmerseite und dem Betriebsrat. Diese Nähe trug jetzt zu seinem Sturz bei.

Die Staatsanwaltschaft hat Anzeichen dafür, dass Hartz von den Mauscheleien gewusst haben soll, die im Mittelpunkt der VW-Affäre stehen: Angebliche Lustreisen für Betriebsräte und Manager, Ausflüge ins Rotlichtmilieu und unkontrollierte Spesenabrechnungen.

Auf siebenstellige Beträge sollen sich die «Unregelmäßigkeiten» zu Lasten des Unternehmens addiert haben. Und Hartz - so sagen die Ermittler jetzt - könnte dies möglicherweise sogar «gebilligt oder unterstützt» haben. So umstritten der 64-jährige Hartz wegen der Arbeitsmarktreformen mittlerweile in der Bevölkerung auch ist - solche Vorwürfe hätte noch vor einen halben Jahr kaum einer für möglich gehalten.

Die Vermutung, dass VW Betriebsräte gekauft habe, sei absurd, hatte Hartz selbst noch Anfang Juli betont. Doch dann geriet er immer mehr ins Gerede. Am 8. Juli bot er seinen Rücktritt an. Hartz übernehme damit die Verantwortung für die Unregelmäßigkeiten einzelner Mitarbeiter, teilte der Konzern damals mit. Wie sich jetzt zeigt, war dies noch nicht der Tiefpunkt.

Solidaritätsbekundungen gab es am Freitag nach Bekanntwerden des Ermittlungsverfahrens keine. Die Reaktionen waren eher unterkühlt. In der Konzernzentrale in Wolfsburg wurde lediglich der Wille zur Aufklärung bekräftigt. Ein bitterer Abgang für einen altgedienten Manager, der mit seinerzeit durchaus innovativen Ideen dem Unternehmen in den 90er Jahren aus einer tiefen Krise geholfen hatte.

Hartz war der Vater vieler Beschäftigungsmodelle, die bundesweit für Aufsehen sorgten: So wurde etwa unter seiner Ägide 1993 die 4-Tage-Woche bei VW eingeführt - eine Art Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich - und damit Massenentlassungen verhindert.

Mit dem Abtritt von Hartz geht in der VW-Führungsetage der Letzte aus der alten Riege um Ex-VW-Chef Ferdinand Piëch. Bei VW weht jetzt ein anderer Wind. Die VW-Affäre um Schmiergeldzahlungen und Lustreisen hat mit Hartz nicht nur ein prominentes Opfer gefunden. Auch das Image des Betriebsrates hat schwer gelitten. Konzernchef Bernd Pischetsrieder könnte das nur recht sein: Um den Konzern auf Gewinn zu trimmen, braucht er Zugeständnisse der Belegschaft. Die jüngsten Verhandlungen um eine Senkung der Lohnkosten beim Bau des neuen kompakten Geländewagens und um einen Wegfall von Nachtschichten samt Zulagen dürften erst der Anfang sein. (Von Eva Tasche, dpa)

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