Wirtschaft : Tietmeyer: Dreifaltigkeit der Notenbanken

FRANKFURT (MAIN) (ro).Die Bundesbank soll ihren Stabilitätskurs halten.Darin stimmten Notenbank-Vertreter auf dem Europäischen Bankenkongreß überein."Es gibt keinen Ersatz für eine stabilitätsorientierte Zentralbank", sagte US-Notenbankpräsident Alan Greenspan.Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Wim Duisenberg, sagte, auch die allererste Aufgabe der EZB sei es, die Preisstabilität zu wahren.

Der Euro wird unmittelbar nach seiner Geburtsstunde am 1.Januar eine wichtige Rolle einnehmen und neben dem Dollar und dem Yen zur dritten bedeutenden Weltwährung aufsteigen.Davon sind Wim Duisenberg, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Alan Greenspan, Chef der US-Notenbank, und Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer überzeugt, wie sie auf dem Europäischen Bankenkongreß am Freitag in Frankfurt betonten."Es wäre sogar ein Desaster, wenn der Euro nicht in der Lage wäre, internationale Bedeutung zu erlangen", sagte Tietmeyer.

Wechselkurs-Zielzonen der drei Leitwährungen sind nach Ansicht der drei Notenbankchefs allerdings nicht erstrebenswert."Es gibt keinen Ersatz für eine sinnvolle, stabilitätsorientierte Zentralbankpolitik", bekräftigte Greenspan vor rund 400 Bankern aus ganz Europa.Direkt am Tisch saßen in Frankfurt allerdings nur Duisenberg, Tietmeyer und der britische Notenbankchef Eddie George.Greenspan nahm mit seinem Schreibtisch in Washington vorlieb und beteiligte sich an dem Finanzgipfel nur per Videoleitung.Der Bedeutung des Treffens tat dies keinen Abbruch.

"Ich glaube an die Dreifaltigkeit", sagte Tietmeyer mit Blick auf den Chef der US-Notenbank Federal Reserve, den EZB-Präsidenten und den obersten Bundesbanker."Ich hoffe, alle wichtigen politischen Entscheidungsträger in Deutschland hören aufmerksam zu", ergänzte er mit einem Seitenhieb auf deutschen Finanzminister Oskar Lafontaine (SPD).Er hatte in den vergangenen Wochen mehrmals der Bundesbank vorgeworfen, die Zinsen in Deutschland zu hoch zu halten.

Alle vier Banker waren sich einig, daß der Euro nicht nur eine wichtige internationale Rolle einnehmen werde, sondern dies auch müsse.Die Vorteile der einzelnen europäischen Währungen würden im Dollar zusammengefaßt, sagte Greenspan.Dies mache den Euro gegenüber dem Dollar wettbewerbsfähig.Viel hänge aber auch von der Stellung der EZB ab.Sie werde die Reputation der Bundesbank erben."Wenn dies nicht passiert, werden bedeutende Vorteile wegfallen", warnte der Chef der Fed.Entscheidend für den Euro sei allein die Glaubwürdigkeit der EZB.

Duisenberg betonte, allererste Aufgabe der EZB sei die Wahrung der Preisstabilität."Gegenüber der internationalen Rolle des Euro nimmt die EZB eine neutrale Stellung ein." Eine erfolgreiche Geldpolitik sei allerdings eine wichtige Voraussetzung für die Bedeutung des Euro auf den Finanzmärkte.Duisenberg stellte klar, daß ein starker und international anerkannter Euro wichtige Vorteile für die Wirtschaft, die Finanzmärkte und die Verbraucher mit sich bringe.Während die D-Mark in ihre Bedeutung als internationale Währung hineingewachsen sei, werde der Euro diese Rolle erben, sagt Bundesbank-Chef Tietmeyer voraus.Euro und Dollar stünden nicht nur in gesundem Wettbewerb, sie seien auch Partner - was noch wichtiger sei: Denn mit Blick auf die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte seien Euro und Dollar zur Stabilität verpflichtet.

Zielzonen sind dabei nach Übereinstimmung der drei wichtigsten Notenbankchefs der Welt kein probates Mittel.Weder die EZB noch USA oder Japan hätten ein derartiges Wechselkursziel, betonte Duisenberg."Ein Wechselkursziel für ein Gebiet so groß und eng verbunden wie den Euro-Raum könnte leicht mit der Preisstabilität in Konflikt geraten", sagte der Niederländer."Es könnte deshalb nicht von Dauer sein." Der Wechselkurs des Euro sei ein Ergebnis und nicht das Objekt von Wirtschaftspolitik im Euro-Raum.Nach Ansicht von Fed-Chef Greenspan verbieten sich Zielzonen schon allein deshalb, weil die Notenbanken nicht die Mittel hätten, um die Kurse massiv zu beeinflussen.Wenn dies in großem Stil passieren müßte, sei dazu nämlich mindestens eine halbe Billion Dollar notwendig.

Nach Ansicht von Duisenberg, Tietmeyer und Greenspan ist eine stabilitätsorientierte Geld- und Haushaltspolitik auf beiden Seiten des Atlantiks eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen vernünftigen Wechselkurs zwischen Euro und Dollar.Alle politischen Kräfte müssen nach Ansicht des Bundesbankpräsidenten künftig stärker an einem Strang ziehen.Sie seien verantwortlich dafür, mögliche Konflikte - etwa zwischen der Geld-, Haushalts- und Tarifpolitik - zu lösen, bevor sie überhaupt erst entstehen.Dies sei langfristig für die Glaubwürdigkeit und den Erfolg des Euro besonders wichtig.

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