Wirtschaft : Tietmeyer hält aktuelles Zinsniveau für angemessen

FRANKFURT (AP).Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer hält das aktuelle Zinsniveau für angemessen, schließt jedoch Erhöhungen in der Zukunft nicht aus.Eine weitere Senkung der Zinsen werde es hingegen auf absehbare Zeit nicht geben.Die Bundesbank werde in den nächsten Wochen und Monaten eine Reihe von Faktoren genau beoachten, die für die Zinspolitik von Bedeutung seien, kündigte der oberste Währungshüter am Mittwoch abend vor Frankfurter Wirtschaftsjournalisten an.Besonders genau werde man die Preisentwicklung im Blick behalten. Besonders müsse die Auswirkung der Teuerung auf die im Herbst anstehenden Tarifverhandlungen betrachtet werden.Der Preisauftrieb habe zwar Sorgen geweckt, noch gebe es aber keinen Anlaß zur Dramatisierung, sagte der Bundesbankpräsident.Er bezog sich mit seinen Äußerungen auf die jüngste Näherung der Inflation an die Zwei-Prozent-Marke und den markanten Anstieg der Importpreise als Folge des starken Dollars.Dies hatte Erwartungen geweckt, die Bundesbank könnte demnächst die Leitzinsen erhöhen. Der jüngste Kursrückgang des Dollars hat den Handlungsdruck jedoch zunächst gemildert.Darüber zeigte sich Tietmeyer zufrieden.Doch obwohl der Stand der D-Mark gegenüber Dollar, Pfund und Yen in den vergangenen zwei Wochen eine Korrektur erfahren habe, werde die Bundesbank die weitere Entwicklung sehr genau beobachten. Die Bundesbank soll bereits in den vergangenen Wochen mehrere Milliarden D-Mark auf den Devisenmärkten eingesetzt haben, um einen weiteren Verfall der Mark zu verhindern.Tietmeyer wollte dies am Mittwoch aber nicht als "bewußte Interventionspolitik" verstanden wissen.Am 6.August hatte der Dollar ein Acht-Jahres-Hoch von 1,8910 DM erreicht.Mittlerweile schwankt er zwischen 1,80 und 1,82 DM. Zuversichtlich äußerte sich Tietmeyer zur Konjunktur in Deutschland.Eine zyklische Erholung zeige sich seit dem zweiten Quartal 1997.Die Wachstumsschätzung des Bundesregierung von 2,5 Prozent für das Gesamtjahr hält er für realistisch.Einschränkend verwies Tietmeyer jedoch auf die starke Abhängigkeit des Aufschwungs vom Export.Demgegenüber wirkten die flaue Baukonjunktur und die Wachstumsschwäche im Osten als Bremsen.Die müde Inlandsnachfrage komme hingegen langsam in Fahrt.

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