Tigerstaaten in Fernost : „Demokratien sind wirtschaftlich im Nachteil“

Sind Demokratien erfolgreicher als autoritäre Staaten? Was das Wachstum betrifft, hinken sie oft hinterher, sagt der Generalsekretär des Staatenbundes Asean. Diktatoren wünscht er sich trotzdem nicht zurück.

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Mehr Demokratie wagen? Proteste der „Rothemden“ in Thailand im April 2010. Foto: AFP
Mehr Demokratie wagen? Proteste der „Rothemden“ in Thailand im April 2010. Foto: AFPFoto: AFP

Es gehört zu den Grundannahmen deutscher Außen-, Wirtschafts- und Entwicklungspolitik, dass Investitionen in Schwellen- und Entwicklungsländer die demokratischen Strukturen vor Ort stärken. Demokratien seien zudem – zumindest im Prinzip – wirtschaftlich erfolgreicher als Diktaturen. Diese Thesen hat jetzt einer relativiert, der sich in einer der größten Wachstumsregionen sehr gut auskennt: Surin Pitsuwan, Generalsekretär des südostasiatischen Staatenbundes Asean: „Wenn man sich die offenen, demokratischen Systeme Südostasiens anschaut, scheinen diese nicht fähig, nachhaltiges Wachstum zu produzieren“, sagte der Thailänder am Montag vor Journalisten im Vorfeld der Asien-Pazifik-Wochen in Berlin. Diese Veranstaltungsreihe will er am heutigen Dienstag mit einem Festakt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt offiziell eröffnen.

Er wünsche sich keinen Diktator Suharto (Indonesien) oder Marcos (Philippinen) zurück, sagte Surin. Heute seien die Staaten der Region auf einem „guten Weg der politischen Evolution“. Allerdings müsse man feststellen, dass die Länder, die demokratische Reformen angepackt hätten, keinen wirtschaftlichen Vorteil daraus hätten ziehen können. „Die meisten Investoren wollen Ordnung und Stabilität mehr als alles andere. Chinesen bieten das schon heute. Deren Gesellschaft ist extrem gut organisiert.“ „Lärmende Demokratien“ wie Thailand dagegen könnten nicht so schnell wachsen.

Surin Pitsuwan will mit einer gemeinsamen asiatischen Währung warten und europäische Fehler vermeiden.
Surin Pitsuwan will mit einer gemeinsamen asiatischen Währung warten und europäische Fehler vermeiden.Foto: dpa

In dem Asean-Bund, den Surin vertritt, sind zehn kleine und mittelgroße Länder der Region mit insgesamt fast 600 Millionen Einwohnern organisiert – darunter so unterschiedlich verfasste Staaten wie Indonesien, Malaysia, Singapur, Thailand oder das stalinistische Birma. China und Indien mit jeweils mehr als eine Milliarde Einwohnern sind nicht Mitglied. Surin stellte fest, dass diese ökonomischen Großmächte mit ihrem Aufstieg seit der Jahrtausendwende sehr viel Kapital aus dem Westen an sich gezogen haben, was auch in die kleineren Länder der Region hätte fließen können. Erst heute profitierten die Asean-Länder zunehmend von der Nähe zu beiden Ländern. „Wenn China und Indien wachsen, wachsen wir mit“, sagte Surin.

Unruhen in Thailand
22.04.2010. Barrikaden aus Bambus und Reifen: Angesichts einer drohenden Niederschlagung ihrer Protestbewegung haben sich die oppositionellen Rothemden in der thailändischen Hauptstadt Bangkok verschanzt. Die Armee forderte die oppositionellen Rothemden eindringlich auf, das von ihnen seit Wochen besetzte Viertel Bangkoks so schnell wie möglich zu verlassen. Ihnen bleibe nicht mehr viel Zeit vor einer gewaltsamen Räumung, sagte Armeesprecher Sunsern Kaewkumnerd.Weitere Bilder anzeigen
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Seine Region würde zudem unter der aktuellen Schuldenkrise in der EU und den USA leiden. Nach der Finanzkrise habe sich das Volumen der Direktinvestitionen aus der EU von 37,5 (2009) auf 75,8 Milliarden Dollar (2010) mehr als verdoppelt. Die EU sei damit größter Investor. Es gebe allerdings erste Anzeichen, wonach das Volumen direkter EU-Investitionen in 2011 wieder sinken könnte.

Surin nannte die EU „eine Quelle der Inspiration, aber kein Vorbild“ für die Länder Südostasiens. Man sei sehr verschieden und noch weit davon entfernt, sich politisch derartig anzugleichen. „Und wenn Sie fragen, wann wir eine gemeinsame Währung einführen, sage ich: Warten wir mal, bis Europa seine Probleme gelöst hat.“

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