Wirtschaft : Time Warner und Emi: Konzerne machen Zugeständnisse

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Mario Montis entschiedener Widerstand gegen die Fusion des US-Medienkonzerns Time Warner mit dem britischen Musikkonzern EMI schwindet. Ein positives Urteil sei nicht mehr auszuschließen, hieß es am Dienstag in Brüssel aus Kommissionskreisen. Die beiden Unternehmen hatten am Montag erneut mit Vertretern der EU-Wettbewerbsbehörde verhandelt, um durch Zugeständnisse in letzter Minute doch noch eine Billigung des Gemeinschaftsunternehmens im Musikbereich zu erreichen. Anlass für Montis Umdenken ist die Bereitschaft von Time Warner, den Musikverlag Warner / Chappell abzugeben. EMI hatte zuvor bereits angeboten, die Tochter Virgin Records zu verkaufen. "Das sind signifikante Zugeständnisse", sagten Branchenexperten.

Chappell ist nach Angaben der Warner Music Group einer der weltgrößten Musikverleger. Das Unternehmen verwaltet die Rechte auf mehr als eine Million Liedtexte und Kompositionen von Künstlern wie Eric Clapton, Michael Jackson oder George Gershwin. Time Warner hatte 1987 den damals größten Wettbewerber übernommen.

Der britische Unternehmer Richard Branson hat unterdessen über eine Sprecherin sein Interesse an einem Rückkauf der Virgin Records signalisiert. EMI hatte die Schallplattenfirma 1992 von ihm erworben. Branchenexperten beziffern den Marktanteil von Virgin Records in Europa auf fünf Prozent.

Am Donnerstag will Monti in Brüssel Vertreter der 15 nationalen Kartellämter über die jüngsten Entwicklungen informieren. Die Experten aus den EU-Staaten hatten sich in der vergangenen Woche bei einer ersten Beratungsrunde Montis damals strikter Ablehnung der Fusion angeschlossen. Seither bemühen sich Vertreter von Time Warner und EMI, den Kommissar umzustimmen.

Entgegen der bisherigen Planung will Monti sein Votum bereits am 11. Oktober der EU-Kommission zum Beschluss vorlegen. Zwei Wochen früher als geplant wird die Kommission dann auch über die Fusion von Time Warner und America Online (AOL) abstimmen. Offen ist, wann und wie die US-Behörden entscheiden.

Unabhängige Musikproduzenten bestehen darauf, dass Time Warner Chappell nicht an Branchenriesen wie Bertelsmann Music Group (BMG) oder Sony verkauft, die bereits Interesse signalisiert haben sollen. BMG und Sony gehören zu dem globalen Musik-Oligopol, dessen Marktmacht Monti eingrenzen will. Die unabhängigen Produzenten fordern zudem eine Absicherung des fairen Wettbewerbs im Internet. Sollte Monti - was sich andeutet - die Fusion von Time Warner und AOL billigen, müsse der gleichberechtigte Zugang zu den elektronischen Vertriebswegen unbefristet garantiert werden. Gleiches verlangen sie bei der Fusion der Mischkonzerne Vivendi und Seagram. Die Seagram-Tochter Universal dürfe auf dem von Vivendi geplanten Internet-Portal Vizzavi nicht bevorteilt werden.

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