Wirtschaft : Tochter der Deutschen Bank in Moskau eröffnet

ROLF OBERTREIS

Das wirtschaftliche Klima in Rußland hat sich deutlich verbessertVON ROLF OBERTREIS MOSKAU."Es ist richtig, daß wir später kommen.Aber nicht zu spät." Rolf E.Breuer gibt Sergej Dubinin, dem Präsidenten der russischen Zentralbank, zwar im Prinzip recht.Aber nur im Prinzip.Denn die Deutsche Bank will ihre neue Tochtergesellschaft in Rußland auf eine solide Grundlage gestellt sehen.Dazu gehörte, wie Breuer bei der offiziellen Eröffnung der Deutschen Bank OOO (dies steht für GmbH) in Moskau betont, eine Regelung für die Auslandsschulden Rußlands, eine Stabilisierung der politischen und wirtschaftlichen Lage und eine Stabilisierung des Rubels.Die Rahmenbedingungen für diese Ziele scheinen günstig: Das Schuldenabkommen wurde im Herbst vergangenen Jahres unterzeichnet.Bei der Politik, Wirtschaft und Währung ist Breuer nicht der einzige, der optimistischer in die Zukunft schaut, als noch vor einem Jahr.Der neuen russischen Regierung unter Ministerpräsident Sergej Kirijenko kommt die Deutsche Bank gerade recht: Als wichtiges und gewichtiges Signal dafür, daß es mit Rußland wirklich aufwärts geht und daß sich Investitionen im Riesenreich jetzt tatsächlich auszahlen.Moskau zeigt in diesen Tagen, daß sich die Dinge überall zum Positiven wenden.An allen Ecken der Stadt wird gebaut, Straßen und Brücken werden erneuert, rund um den Kreml werden die Parks einer intensiven Frühjahrskur unterzogen.Die Stadt blüht im wahrsten Sinne des Wortes auf.Die immer längeren Staus ärgern zwar Moskaus Autofahrer.Sie sind aber untrügliches Zeichen dafür, daß es wirtschaftlich vorangeht.Zentralbankchef Sergej Dubinin gibt sich beim Eröffnungsempfang der Deutschen Bank im noblen Hotel Metropol unweit des Kreml optimistisch: Die Stabilisierung Rußlands gehe voran, die Lage bessere sich, auch wenn die Notenbankzinsen immer noch bei 30 Prozent liegen und die Kapitalmarktsätze mit 20 bis 25 Prozent ebenfalls sehr stolz sind.Die Inflation werde 1998 wohl auf acht Prozent sinken, die Wachstumserwartungen liegen bei zwei bis drei Prozent - und das nach acht Rezessionsjahren in Folge.Durch ähnliche Schätzungen der Deutschen Bank, "eines berühmten Kreditinstituts, das durch seine nüchternen Ansichten bekannt ist", fühlt sich Dubinin bestärkt.Die Banker weisen freilich auch auf die immer noch bestehenden Gefahren durch das hohe Haushaltsdefizit und die geringen Steuereinnahmen hin."Das Risiko einer Investition in Rußland ist gerechtfertigt", sagt der Zentralbank-Chef trotzdem.Auch deutsche Unternehmen könnten zuversichtlich sein.Jewgeninj Jassin, Minister ohne Amt und Chefdenker der alten und neuen Regierung, stößt ins gleiche Horn.Rußland sei jetzt ein ganz anderes Land als vor 1992."Wir sind schon weit vorangeschritten." Das Rad könne nicht mehr zurück gedreht werden.Damit böten sich nicht nur deutschen Firmen in Rußland gute Möglichkeiten.Rolf Breuer sieht es ähnlich.Das eher skeptische Bild von Rußland, das in Deutschland oft gezeichnet werde, kann er nicht nachvollziehen."Die Entwicklung ist erfreulich.Das bestärkt uns darin, daß wir mit dem Timing für die neue Tochter richtig liegen."Auch in der neuen Regierung gebe es altbekannte Namen und damit ein "Quentchen Kontinuität".Vom 35jährigen Regierungschef Kirijenko, den Präsident Jelzin schließlich doch durchgesetzt hat, hält Breuer viel.Seine Jugend sei kein Nachteil.Mit der neuen Tochtergesellschaft, die mit einem Eigenkapital von 50 Mill.Dollar ausgestattet ist und zunächst 150 Mitarbeiter beschäftigt, wolle man die Anstrengungen der russischen Regierung unterstützen, mehr Investoren ins Land zu holen und den Handel mit dem Ausland auszuweiten.1997 ist Deutschland zum wichtigsten Handelspartner Rußlands aufgestiegen.30 Prozent davon wickelt allein die Deutsche Bank ab.Auch auf den Kapitalmärkten will das Geldhaus für Rußland noch aktiver werden.Weitere Staatsanleihen sollen plaziert, mehr Kredite an russische Unternehmen ausgegeben und international verteilt werden.Am Donnerstag unterzeichnete die Deutsche Bank als Spitzeninstitut eines Bankenkonsortiums einen Vertrag über einen Kredit in Höhe von 230 Mill.DM an den russischen Energiekonzern Gazprom.Es war der bislang größte, der einem russischen Unternehmen gewährt wurde.Auch bei weiteren Privatisierungen will man mitmischen.Bisher hat die Deutsche Bank über ihre Investmenttochter Morgan Grenfell dabei in Rußland eine wichtige Rolle gespielt.Im Privatkundengeschäft wird die Deutsche Bank frühestens in einigen Jahren aktiv, und dann in erster Linie mit Investmentfonds.Das Institut hat hohe Ziele: Es will zu den führenden der derzeit 17 ausländischen Banken in Rußland aufsteigen.Die rund 1650 russischen Banken sieht Breuer weniger als Konkurrenz, sondern eher als Partner.

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