Wirtschaft : Tokio verhängt Strafen gegen Banken

Wegen Kooperation mit Gangstern / Nomura und Dai-Ichi müssen teilweise Geschäft einstellen

TOKIO (dpa/rtr).Das japanische Finanzministerium hat gegen zwei der größten Finanzinstitute des Landes ­ die Großbank Dai-Ichi Kangyo und das Wertpapierhaus Nomura Securities ­ demonstrativ scharfe Strafen wegen illegaler Geschäfte mit einem Sokaiya-Gangster verhängt.Sokaiya erpressen Firmen mit der Drohung, auf Hauptversammlungen das Management mit heiklen Fragen und Insider-Wissen in Bedrängnis zu bringen, und kassieren auch Schutzgelder für das Versprechen, andere Sokaiya von den Hauptversammlungen fernzuhalten.Die am Mittwoch verkündeten Maßnahmen gegen die Institute sind die härtesten Strafen dieser Art bisher in Japan. Der Dai-Ichi Kangyo Bank wird nach Angaben des Finanzministeriums unter anderem für die Zeit vom 6.August bis 31.Dezember die Vergabe neuer Kredite verboten.Ein Jahr lang darf sie in Japan und Übersee keine neuen Geschäftsstellen eröffnen.Nomura muß vom 6.August bis 31.Dezember den Aktienhandel auf eigene Rechnung aussetzen.Beide sind in diesem Zeitraum von der Zeichnung öffentlicher Anleihen ausgeschlossen.Zudem wurden die Institute aufgefordert, ihre innerbetrieblichen Geschäftsabläufe zu verbessern, um Rechtsverstöße zu verhindern. Finanzminister Hiroshi Mitsuzuka begründete das Strafmaß mit dem Wunsch, eine abschreckende Wirkung zu erzielen und das Vertrauen in das japanische Finanzsystem wiederherzustellen.Jeder Manager solle wissen, daß Geschäfte mit Sokaiya seiner Firma schadeten.Das Wertpapier-Handelshaus Nomura hatte dem Sokaiya 370 Mill.Yen aus illegalen Aktiengeschäften verschafft.Dai-Ichi Kangyo gab ihm ohne Sicherheiten 28 Mrd.Yen Kredit.Mit dem Geld kaufte Sokaiya unter anderem Aktien der Broker.Seit dem Auffliegen des Skandals Anfang März wurden 14 Manager der Bank und des Wertpapierhauses bis hinauf zu Ex-Präsidenten angeklagt. Schwerer als die finanziellen Verluste wiegen nach Ansicht von Experten die Folgen für den Ruf und bei Nomura die Gefahr, daß der Broker Spitzenkräfte verliert.Beide Institute haben nach den Enthüllungen bereits finanzielle Einbußen erlitten.Firmen und Behörden haben Geschäftsbeziehungen mit ihnen eingefroren oder abgebrochen.Über 30 Provinzregierungen und Stadtverwaltungen haben Einlagen bei der Bank abgezogen.Der Elektronik-Konzern Hitachi kündigte an, seine Anlagen künftig von ausländischen Firmen verwalten zu lassen.Im größten Wirtschaftsverband, Keidanren, wurde die Mitgliedschaft der beiden Institute für ein Jahr ausgesetzt.Aus dem Vorstand des japanischen Bankenverbandes ist Dai-Ichi Kangyo freiwillig ausgeschieden.

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