Wirtschaft : „Toller Bursche“

Lob von den VW-Aktionären auf der Hauptversammlung – trotz mieser Zahlen.

Hannover - Dem Autokonzern Volkswagen macht die Branchenkrise in Westeuropa immer mehr zu schaffen: Der Wolfsburger Konzern hält zwar an seinen Zielen für das laufende Jahr fest und will den Betriebsgewinn stabil halten. Die kommenden Monate würden aber „alles andere als leicht“, kündigte Konzernchef Martin Winterkorn am Donnerstag vor mehr als 2000 Aktionären auf der Hauptversammlung in Hannover an. Europas größter Autobauer müsse sich „mehr denn je ins Zeug legen“, um wie geplant zu wachsen. Trotz des schwachen Jahresauftakts zeigte sich Winterkorn jedoch zuversichtlich, dass VW in der zweiten Jahreshälfte Fahrt aufnehmen kann. Worauf er seinen Optimismus gründet, ließ Winterkorn offen. Einige Experten halten es für möglich, dass die Pkw-Nachfrage im krisengeschüttelten Westeuropa frühestens 2015 überwunden sein wird. Bei Volkswagen hinterlässt die Autokrise tiefe Spuren in der Bilanz: Der Betriebsgewinn brach zu Jahresbeginn um mehr als ein Viertel auf 2,3 Milliarden Euro ein.

Die Aktionäre ließen sich von der gedämpften Stimmung nicht anstecken. Ein Kleinaktionär lobte Winterkorn als „tollen Burschen“, der den Konzern an die Weltspitze führe. Dessen Millionengehalt, das kürzlich die Wogen hatte hochschlagen lassen, spielte nur am Rande eine Rolle. Aktionärssprecher kritisierten vor allem die um je 50 Cent auf 3,50 Euro je Stamm- und 3,56 Euro je Vorzugsaktie erhöhte Gewinnausschüttung als zu niedrig. „Auf die Dauer sollten Sie – wenn Sie nicht jedes Jahr drei Marken kaufen – auch an eine höhere Dividende an uns Aktionäre denken“, appellierte Hansgeorg Martius von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre an die VW- Spitze.

Unklar ist noch, wie sich die Krise auf die langfristigen Ziele des Zwölf-Marken- Konzerns auswirken wird: Winterkorn bekräftigte zwar, dass Volkswagen bis 2018 an Toyota vorbeiziehen und sich die begehrte Weltmarktkrone der Automobilindustrie schnappen wolle. Er ließ dabei allerdings zunehmend Vorsicht erkennen, in seiner Rede vor den Aktionären geht es lediglich um einen „Anspruch“ der Niedersachsen. Bei früheren Gelegenheiten war von einem klaren Ziel die Rede, VW zur Nummer eins bei Ertragskraft, Qualität und Kundenzufriedenheit zu machen. rtr

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