Wirtschaft : TONY HAYWARD

Ex-BP-Chef mit Zeit zum Segeln nach dem Deepwater-Horizon-Desaster

Sehnte sich nach seinem alten Leben: Tony Hayward. Foto: AFP
Sehnte sich nach seinem alten Leben: Tony Hayward. Foto: AFPFoto: AFP

Wahrscheinlich hätte Tony Hayward seinen Posten als BP-Chef so oder so aufgeben müssen – gipfelte die Explosion der Plattform „Deepwater Horizon“ im April doch in der größten Ölkatastrophe überhaupt. Doch der 53-Jährige musste gehen, bevor die juristische Aufarbeitung des Unglücks überhaupt begonnen hatte. Eigentlich war es nur ein kurzer nachgeschobener Satz, mit dem sich der Engländer für die Öffentlichkeit – vor allem in den USA – untragbar machte: „Es gibt niemanden, der sich stärker wünscht, dass diese Ölkatastrophe ein Ende findet als ich“, sagte er Anfang Juni der Zeitung „USA Today“. Und schob dann nach: „Ich will mein altes Leben zurück.“

Vier Wochen später kam die Abberufung. Denn mit dem Satz hatte er den Eindruck erweckt, dass er sich mehr Gedanken um sein persönliches Wohlergehen machte als um die vielen tausend Fischer, Restaurant- und Hotelbetreiber am Golf von Mexiko, denen sein Unternehmen gerade die Existenzgrundlage entzog. Der Satz „I’d like my life back“ wurde zum geflügelten Wort und war offenbar ernst gemeint: Wenig später tauchten Fotos auf, die ihn bei einer Segelregatta zeigten – während weiter Millionen Barrel Rohöl ins Meer strömten. Dann war Hayward mehrfach tagelang wie vom Erdboden verschwunden. Nicht erreichbar, für niemanden. Die Ironie der Geschichte ist, dass Hayward auch ins Amt gekommen war, weil er hausintern den Umgang seines Unternehmens mit den Folgen einer Raffinerieexplosion in Texas mit 15 Toten kritisiert hatte. Anfang 2007 löste er den glücklosen Lord Browne ab. Der BP-Aufsichtsrat hatte sich von der Berufung Haywards einen Imagewandel erhofft. Und tatsächlich gab der BP auch einen grünen Anstrich. Allerdings bröckelte die Fassade mit jedem neuen Auftritt Haywards vor wütenden US-Abgeordneten, die ihn zur Katastrophe im Golf von Mexiko befragten.

Zum 1. Oktober musste Hayward gehen – gegen eine stattliche Abfindung. Ihm folgte Robert Dudley, ein Manager, der die Sprache der Menschen am Golf spricht. Der 55-Jährige wuchs in Mississippi auf. kph

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben