Wirtschaft : Top-Rendite für Methusalem

ANDREAS KUNZE

Renten-Höherversicherung lohnt in den wenigsten FällenVON ANDREAS KUNZE BERLIN.Ein "Schnäppchen" soll es sein, die Höherversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung.Eine "Spitzenrendite von zehn Prozent" - also beeilen, denn am 31.März ist endgültig Schluß mit dem phantastischem Angebot, hieß es.Doch wie so oft, wenn ein vermeintliches Schnäppchen zur Eile drängt: Es lohnt sich, kühlen Kopf zu bewahren und ganz in Ruhe nachzurechnen. Ein 56jähriger zahlt 12 000 DM in die Rentenkasse ein, seine spätere Rente erhöht sich um monatlich 100 DM, also Jahr für Jahr um 1200 DM.So lautete das Beispiel.Schon dem schlichten Hobby-Mathematiker fällt auf: Der höherversicherte Beispielsrentner muß - bei Rentenbeginn mit 65 - zehn Jahre lang konsequent all den Lebensgefahren aus dem Weg gehen, um seinen "Einsatz" herauszubekommen. Statistisch gesehen hat er durchaus gute Chancen: Ein heute 56jähriger darf davon ausgehen, seinen 75.Geburtstag noch feiern zu können.Doch selbst wenn der Beispielsrentner das Durchschnittsalter erreicht: Hat er dann mit seiner Höherversicherung ein gutes Geschäft gemacht? Eine Vergleichsberechnung: Der 56jährige trägt sein Geld, die 12 000 DM, nicht zur Rentenanstalt, sondern zur Bank.Für neun Jahre, bis zu seinem Rentenbeginn mit 65, legt er das Geld an.Selbst im momentanen Zinstal sind fünf Prozent Rendite bei dieser Anlagedauer drin.Am letzten Arbeitstag mit 65 ist das Kapital auf rund 18 600 DM angewachsen. Nun frohlockt der höherversicherte Rentner: Ich habe zwar kein Geld bei der Bank, kriege aber Jahr für Jahr 1200 Mark Extra-Rente.Der sparende Rentner lächelt milde.Bei weiterhin fünf Prozent Rendite würde sein Vermögen Jahr für Jahr immerhin 930 Mark abwerfen.Das ist zwar etwas weniger, als der höherversicherte Rentner bekommt - dafür aber bleibt das Vermögen vollständig erhalten. Will der Sparfuchs ebenfalls 1200 DM jährlich Zubrot haben, kann er mit der Bank einen Auszahlungsplan vereinbaren.Das geht so: Die Bank zahlt regelmäßig den gewünschten Betrag aus, das verbleibende Vermögen wird weiter verzinst.Aber wie lange reicht das bei jährlich 1200 DM Auszahlung? Bei fünf Prozent Zinsen immerhin bis zum 94.Geburtstag.Sollten die Zinsen wieder steigen, bleibt länger was übrig. Der höherversicherte Rentner müßte also bei diesem Beispiel das Alter eines Methusalems erreichen, um sich besser zu stehen.Dagegen spricht allerdings die Statistik.Bleibt der Rentenvorteil für die Witwe.Sie bekommt 60 Prozent des Erhöhungsbetrages.Vorausgesetzt, daß der Rentner verheiratet war und daß seine Frau ihn überlebt.Das tut sie, schon wieder ernüchternde Zahlen, im Schnitt lediglich drei Jahre lang. Fazit: Die Höherversicherung ist regelmäßig nur dann lukrativ, wenn der Rentenbeginn kurz bevorsteht - und der künftige Rentner darauf spekuliert, steinalt zu werden.

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