Wirtschaft : Toshiba lässt Kooperation mit Infineon platzen

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Die Kooperationsgespräche zwischen der Münchner Infineon AG und der Halbleitersparte des japanischen Toshiba-Konzerns sind überraschend geplatzt. Beide Seiten seien sich einig, dass keine der diskutierten Optionen zukunftsfähig sei, teilte der deutsche Chipkonzern in München mit. "Ich bedauere, dass das von uns angestrebte Ergebnis nicht erzielt wurde", sagte Konzernchef Ulrich Schumacher zum Scheitern der Verhandlungen.

Vorige Woche hatte er sich noch zuversichtlich gezeigt und einen deutsch-japanischen Schulterschluss noch in diesem Jahr für möglich gehalten. Die Manager aus den Halbleitersparten seien sich bereits einig gewesen, heißt es aus Kreisen der Verhandlungspartner. Demnach hatten Infineon und die Toshiba-Chipsparte ein Kooperationsmodell erarbeitet, bei dem die Münchner klarer Seniorpartner mit einem Anteil von vier Fünfteln gewesen wären. Gegenüber den Japanern hat Infineon stets Kostenvorteile und einen technologischen Vorsprung reklamiert. Eine Kooperation dürfe Infineon deshalb nichts kosten. "Das ist eine harte Forderung, aber das ist so", hatte Schumacher zuletzt gesagt und Stärke demonstriert. Für Toshiba war das nicht akzeptabel.

Statt für eine halbe Milliarde Euro eigene Chipfabriken zu modernisieren und sie in einer Minderheitsbeteiligung unter Führung von Infineon aufgehen zu lassen, hat sich der Toshiba-Mutterkonzern nun zum Komplettausstieg aus dem Speichergeschäft entschlossen. Ein Chip-Werk in den USA werde an den US-Konkurrenten Micron verkauft, teilte Toshiba mit. Im eigenen Land werde die Produktion von DRAM-Speichern, die überwiegend in PCs eingebaut werden, mittelfristig eingestellt. Dadurch verschwinden rund zwei Prozent der DRAM-Kapazitäten aus dem von Überproduktion gekennzeichneten Chipmarkt, schätzen Branchenkenner. Das dürfte auch der Grund sein, weshalb die Infineon-Aktie nach der geplatzten Toshiba- Kooperation um einige Prozentpunkte auf rund 25 Euro anstieg.

Wenn Toshiba als globale Nummer sechs im Speichergeschaft aus dem Markt ausscheidet, blieben für die übrigen Wettbewerber wie Infineon, mit 14 Prozent Marktanteil bei DRAMS die globale Nummer vier, mehr Geschäft, sagen einige Bankanalysten. Andere bedauern, dass die Münchner das für sie "äußerst vorteilhafte" Kooperationsmodell mit dem "japanischen Wunschpartner" nicht verwirklichen können.

Micron übernehme dagegen nicht nur das US-Werk von Toshiba. Derzeit verhandle die globale Nummer zwei der Branche auch mit dem dahinter rangierenden südkoreanischen Chiphersteller Hynix und sei dabei. Micron könne die Marktflaute nutzen, um seine Marktanteile zum Nachteil von Infineon stark auszubauen, warnte ein Analyst. Auch Marktführer Samsung aus Südkorea führe Gespräche mit Konkurrenten. Infineon laufe Gefahr, den Anschluss an das Führungsduo Samsung und Micron zu verlieren. Auf die Finanzmittel der Ex-Mutter Siemens, die ihren Infineon-Anteil auf unter 50 Prozent reduziert hat und aus der Chipbranche aussteigen will, kann Infineon nicht mehr bauen.

Infineon bleibe weiter für Kooperationen mit Herstellern von Speicherchips offen, wenn das den eigenen Konzern nichts kostet, sagte Schumacher. Konkrete Kontakte gebe es aber nicht. Infineon könne auch allein überleben, Toshiba sei "keine strategische Notwendigkeit" gewesen, betonte eine Infineon-Sprecherin. Zusammen mit Toshiba seien die Münchner allerdings an Marktanteilen mit Marktführer Samsung gleichgezogen.

Profitabel arbeitet derzeit trotz zuletzt leichter Preiserhöhungen kein Speicherproduzent. Tief in den roten Zahlen steckt vor allem Hynix. Die südkoreanischen Hersteller hatte Schumacher zuletzt für den Preisverfall verantwortlich gemacht sowie deren staatliche Subventionen gerügt. Ein mögliches Zusammengehen von Hynix und Micron bereitet ihm wenig Bedenken. Dann hätte Infineon gleich zwei Konkurrenten weniger, spottet der Infineon-Chef. Er spielte damit auf den maroden Zustand des Hynix-Konzerns an. Die Amerikaner könnten sich an diesem Bündnis verheben.

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