Toshiba-Umbau nach Bilanzskandal : Der Letzte macht das Licht aus

Nach einem großen Finanzskandal Anfang des Jahres veräußert Toshiba eine Vielzahl von Geschäftsbereichen. Ein Milliarden-Kredit soll die Sanierung ermöglichen.

Daniel Mosler
Toshiba zieht sich aus dem europäischen Laptop-Geschäft für Privatkunden zurück.
Toshiba zieht sich aus dem europäischen Laptop-Geschäft für Privatkunden zurück.Foto: dpa

Der japanische Elektronikriese Toshiba verkauft seine Sparten PC und Haushaltsgeräte. Mit Fujitsu und der Sony-Tochter Vaio werden bereits Gespräche für einen Verkauf der Sparten zum Anfang kommenden Jahres geführt. Toshiba steht nach einem großen Bilanzskandal Anfang 2015 vor tiefgreifenden Konzernumbauten. Neben den beiden Sparten überlege man auch, Toshiba Medical Systems und weitere ehemalige Kerngeschäfte zu veräußern, erklärte ein Unternehmenssprecher am Dienstag.

Bis März kommenden Jahres sollen fast 10.000 Beschäftigte das Unternehmen verlassen, ein Teil von ihnen wird vom Konkurrenten Sony übernommen. Der einstige Elektronikstar kündigte zudem an, einen Großteil seiner ausländischen Fabriken schließen und mehr Produkte in Eigenregie herstellen zu wollen. Sollten die Pläne umgesetzt werden, würde der einstige Riese zu einem Zwerg schrumpfen.

Kerngeschäft in Gefahr

Das Abstoßen der Sparten Haushaltsgeräte und vor allem PC bedeutet für Toshiba schwerwiegende Einschnitte in das Kerngeschäft des japanischen Unternehmens. Konzernchef Masahi Muromachi sagte der japanischen Tageszeitung Sankei Shimbun, der Konzernumsatz könnte erstmals seit Mitte der 1990er Jahre auf unter 5 Billionen Yen fallen. Zusätzlich zu den beiden Sparten prüft Toshiba den Verkauf seiner TV-Sparte und des Markennamens Regza, unter dem Toshiba bislang Flachbildschirme verkauft. Toshiba ist der drittgrößte TV-Hersteller auf dem japanischen Markt nach Sharp und Panasonic.

Auch weitere einstige Kernbereiche stehen zur Disposition. So soll die Chipsparte "Toshiba Semiconductor & Storage Products Company" veräußert werden. Dies würde das Aus der eigenen LSI-, RAM- und Flash-Speicher-Produktion bedeuten. Bereits 2001 hatte Toshiba seine DRAM-Sparte an Micron verkauft. Kurz danach ging die gesamte Kamerasensor-Sparte inklusive Fabriken an Sony. Heute ist Sony der weltweit größte Hersteller von Kamerasensoren. Der japanische Hersteller produziert unter anderem die Sensoren für Apples iPhones.

Auf dem europäischen Markt zieht sich Toshiba vorerst nur aus dem Laptopgeschäft für Privatpersonen zurück. Man wolle sich auf Geschäftskunden konzentrieren und die Produkte vermehrt in kompletter Eigenregie herstellen, so ein Unternehmenssprecher. Bislang ließ Toshiba seine Produkte vor allem in Indonesien herstellen.

Der Verkauf ausländischer Fabriken würde Toshibas Produktportfolie massiv beschneiden. Der europäische Laptop-Markt gilt als besonders hart umkämpft. Erst vor wenigen Monaten kündigten die Sony-Tochter Vaio und der japanischer Hersteller Fujitsu ihren Rückzug aus dem Geschäft an.

Milliarden-Kredit soll Sanierung ermöglichen

Toshiba ließ am Dienstag verlauten, einen Milliardenkredit aufnehmen zu wollen, um seine Sanierungspläne durchführen zu können. Der Kredit soll ein Volumen von 300 Milliarden Yen (rund 2,2 Milliarden Euro) umfassen. Bislang spreche man noch mit verschiedenen Geldhäusern, wie das Unternehmen mitteilte.

Der weltweit siebtgrößte Hersteller von Elektronik- und Unterhaltungsindustrie war Anfang 2015 durch einen Bilanzskandal ins Straucheln gekommen. Damals kam eine japanische Untersuchungskommission zu dem Schluss, das Unternehmen habe über mindestens sieben Jahre hinweg den Nettogewinn des Konzerns um mehr als 155 Milliarden Yen aufgebläht. Der daraus resultierende Gewinn vor Steuern wurde um 224,8 Milliarden Yen geschönt.

Als Folge des Skandals und einer jahrelangen Fehlplanung verbuchte Toshiba im vergangenen Geschäftsjahr ein Minus von rund 300 Millionen US-Dollar. Für das erste Fiskalhalbjahr 2015 rechnen Branchenexperten bereits mit einem Defizit von knapp 740 Millionen US-Dollar. Der nun beschlossene Stellenabbau wird weitere 1,6 Milliarden US-Dollar kosten.

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