Wirtschaft : Total digital

Die Ifa ist ein Konjunkturprogramm für die Branche. Sie setzt auf die neue Fernsehtechnik HDTV

Corinna Visser

Die Veranstalter sparen nicht an Superlativen, sie sprechen von Quantensprung und Revolution. Dabei geht es um Fernsehen. Doch in das hochauflösende Digitalfernsehen, kurz HDTV, setzt die Komsumelektronikindustrie große Hoffnungen. Auch die Präsentation auf der Ifa wird groß sein: 60 Flachbildschirme und Stadionatmosphäre in einer mehr als 10000 Quadratmeter großen Halle verspricht der Chef der Messe Berlin, Christian Göke. Die Digitalisierung nicht nur vom Fernsehen, sondern auch von Radio, Fotografie und Video – und die Vernetzung all dieser Technologien – , das sind die großen Themen auf der Funkausstellung 2005.

1189 Aussteller aus mehr als 40 Ländern haben ihre Stände unter dem Funkturm aufgebaut, ein neuer Rekord. Und: „Es werden 7000 echte Neuheiten auf der Ifa präsentiert“, sagt Göke. Zum Vergleich: Auf der Funkausstellung 2003 waren es 5500.

Die Konsumelektronikindustrie geht mit großem Optimismus in die Messe. Bereits im erstenHalbjahr legte die Branche beim Umsatz fast zehn Prozent zu. „Wir sind zuversichtlich, dass sich das Wachstum in dem Tempo fortsetzt“, sagt Rainer Hecker, Chef des Fernsehherstellers Loewe und Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu), die die Ifa veranstaltet. „Die Ifa ist ein Impulsgeber und ein Konjunkturprogramm für die Branche.“ Die Aussteller rechnen mit Bestellungen im Wert von 2,5 Milliarden Euro auf der Messe. Insgesamt will die Branche 2005 erstmals mehr als 20 Milliarden Euro umsetzen. Dabei kann der Kunde mit weiter sinkenden Preisen rechnen. „Die Branche erwartet allerdings, dass die Preise nicht mehr im gleichen Tempo fallen werden“, sagt Hecker. „Der Wettbewerb verschärft sich auch dadurch, dass neue Anbieter – zum Beispiel aus der Computerindustrie – in den Markt einsteigen.“ Zwar stehe die Industrie unter dramatischem Kostendruck. Doch auch die wenigen verbliebenen deutschen Hersteller hätten weiter eine gute Chance. „Die Markenhersteller kommen wieder ins Geschäft, weil die Kunden bereit sind, Qualität zu kaufen“, sagt Hecker. „Wir sind nur so viel teurer, wie wir besser sind.“

„Momentan kommt die Branche erstaunlich gut weg“, sagt Thomas Künstner von der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. „Innovationen und neue Trends sorgen für Bewegung auf dem Markt, der Optimismus ist angebracht.“ Die Fußballweltmeisterschaft 2006 werde etwa bei den neuen digitalen Flachbildfernsehern für einen Nachfrageschub sorgen. Und auch wenn ARD und ZDF die WM nach derzeitigem Stand nicht im HDTV übertragen wollen, hält Künstner „es nicht für undenkbar, dass sich die Sender noch bewegen“. Etwas zurückhaltender ist der Berater, ob die Kunden schon für die drahtlosen Home-Entertainment-Lösungen bereit sind, bei denen Audio-, Video-, Fotogeräte und der PC per Funk vernetzt werden können. „Das wird noch drei bis fünf Jahre dauern, bis diese neue Kommunikationswelt reif für den Massenmarkt ist“, sagt er. Offen sei auch, welche Unternehmen bei den stärker zusammenwachsenden Technologien am Ende die Gewinner sein werden: die Telekommunikations-, die Medienfirmen oder die Gerätehersteller – entscheidend wird dabei sein, wer die Kundenschnittstelle und damit das Konsumerlebnis kontrolliert. So sei es dem Computerkonzern Apple gelungen, digitale Musik zum kommerziellen Erfolg zu machen. „Apple hat den gordischen Knoten zerschlagen, ohne vorher im Musikgeschäft gewesen zu sein“, sagt Künstner. Die Ifa, sagt er, „ist ein wichtiger Mutmacher für die Branche“.

Wichtig ist sie auch für die Stadt. „Die Ifa ist für Berlin, was die WM für Deutschland ist“, sagt Göke. 15 bis 20 Millionen Euro Umsatz macht die Messe mit der Ifa, sieben bis 15 Mal so viel, schätzen Experten, lassen die Besucher obendrein in den Hotels, Restaurants und Geschäften der Stadt.

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