Wirtschaft : Total-Fina will sich Elf Aquitaine einverleiben

PARIS / HAMBURG (AFP/rtr). Der französisch-belgische Mineralölkonzern Total-Fina will seinen französischen Konkurrenten Elf Aquitaine übernehmen. Total-Fina legte am Montag ein Angebot zum Aktientausch vor, wie der Finanzmarktrat am Montag in Paris bekanntgab. Elf lehnte die Offerte als Versuch einer "feindlichen" Übernahme ab. Der neue Konzern würde weltweit die viertgrößte Ölgesellschaft werden, hinter Exxon-Mobil, BP-Amoco/Arco und Royal-Dutch/Shell. Die Übernahme müßte europäischen und amerikanischen Wettbewerbsbehörden vorgelegt sowie vom französischen Staat genehmigt werden. Er verfügt bei Elf über eine sogenannte "Goldene Aktie", die ihm im Verwaltungsrat ein Vetorecht einräumt.

An der Pariser Börse stiegen die Elf-Aktien am Montag nachmittag um 17 Prozent, Total legte um 1,7 Prozent zu. Der neue Konzern bietet vier seiner Anteile für drei Elf-Aktien. Das Angebot zum Aktientausch soll Ende August wirksam werden und wird eine Laufzeit von höchstens 35 Tagen haben. Nach Berechnungen von Total-Fina könnten durch die Integration von Elf innerhalb von drei Jahren weltweit 4000 Stellen eingespart werden, davon etwa die Hälfte in Frankreich. Entlassungen seien nicht geplant, versicherte Total-Fina. Das Einsparpotential der Fusion schätzt der Konzern auf 1,2 Mrd. Euro (2,35 Mrd. DM). Total-Fina sicherte zu, in Frankreich keine Raffinerie zu schließen. Elf betreibt im ostdeutschen Leuna seit 1997 eine große Raffinerie. Die EU-Kommission streitet mit Elf seit Jahren über angeblich überhöhte Subventionen beim Bau des Werkes.

Total-Fina war erst am 14. Juni aus der Zusammenlegung der belgischen Petrofina und der französischen Gruppe Total entstanden. Total-Fina ist derzeit weltweit der fünftgrößte Ölkonzern. Elf-Aquitaine war erst 1996 privatisiert worden. Das Unternehmen war jahrzehntelang eng mit der französischen Afrikapolitik verquickt. Bis heute sind noch zahlreiche Korruptionsaffären anhängig, in die Elf verwickelt war. Nach der Privatisierung hatte Elf-Aquitaine versucht, ausschließlich intern zu wachsen und dabei immer auf einen gewissen Flankenschutz des französischen Staates vertraut. Die wichtigsten Betriebszweige sind Öl und Gas unter der Marke Elf, Chemie (Atochem) und Pharma (Sanofi).

Im Falle der Übernahme durch Total-Fina ist eine Beschränkung auf das Öl- und Gasgeschäft zu erwarten. Nach Angaben der Bank Crédit Suisse First Boston, die Total-Fina berät, ist eine einvernehmliche Fusion mit Elf vor allem an der exzentrischen Persönlichkeit des Elf-Chefs Philippe Jaffré gescheitert. Zwischen Jaffré und dem Total-Fina-Chef Thierry Desmarest sei keinerlei Dialog möglich gewesen, hieß es.

Der Trend zu größeren Firmeneinheiten in der Branche wird im wesentlichen auf den Verfall der Rohölpreise und die hohen Kosten für die Erschließung neuer Energiequellen zurückgeführt. Praktisch alle weltweit führenden Unternehmen beteiligen sich an dem Fusionswettlauf. Allerdings führte nicht jeder angekündigte Zusammenschluß auch zum Erfolg. Bei der größten Fusion aller Zeiten übernimmt derzeit der Branchenprimus Exxon (USA) den US-Konkurrenten Mobil Oil für 91 Mrd. Dollar. Dabei entsteht ein Konzern mit 203 Mrd. Dollar Umsatz und 122 000 Mitarbeitern (1998). Die 1998 angekündigte Fusion wird noch von den Brüsseler EU-Wettbewerbshütern geprüft.

Im August 1998 leitete British Petroleum (BP) die Übernahme des zehntgrößten Ölkonzerns Amoco für 33 Mrd. Pfund ein und konnte damit seinen Rang drei (hinter Exxon und Royal Dutch Shell) festigen. Im Frühjahr 1999 kaufte BP Amoco zudem den US-Konkurrenten Atlantic Richfield. Damit rückten die Briten zur Nummer zwei mit 51 Mrd. Pfund (damals 84 Mrd. Dollar) Umsatz und 96 650 Mitarbeitern auf. Auch hier läuft noch eine Prüfung durch den EU-Wettbewerbskommissar.

Die beiden US-Konzerne Texaco und Chevron, Traditionsmitglieder der Top Ten der weltweiten Ölbranche, kündigten für dieses Jahr ihre Fusion zu einem Konzern mit 62 Mrd. Dollar Umsatz an. Doch im Juni blies Texaco überraschend den Zusammenschluß ab: Der Preis sei unbefriedigend, und die Erholung der Ölpreise mache eine Fusion nicht zwingend nötig.

Mit einer aggressiven Übernahmepolitik versucht derweil der französische Konzern Total, sich auf dem Weltmarkt gegen die überwältigende Macht der angelsächsischen Konzerne zu behaupten. Im Dezember 1998 rückte die Total SA mit der Übernahme der belgischen Petrofina-Gruppe und einem Umsatz von knapp 35 Mrd. Euro in die Liga der weltgrößten Ölkonzerne auf. Mit Elf Aquitaine SA will die neue Total Fina zum Spitzentrio um Exxon, Shell und BP aufschließen. Allerdings wird ein Scheitern der unfreundlichen Übernahme wie im Falle von Texaco und Chevron in Insiderkreisen nicht ausgeschlossen.

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