Tote durch Starkstrom : "Sicherheit ist bei der Deutschen Bahn oberstes Gebot"

Mindestens sieben Arbeiter sollen seit 2008 bei Stromunfällen an Oberleitungen gestorben sein. Interne Dokumente belegen angeblich, dass Sicherheitsstandards bei der Bahn nicht eingehalten wurden.

Die Arbeit an oder in der Nähe von Oberleitungen der Bahn birgt Sicherheitsrisiken.
Die Arbeit an oder in der Nähe von Oberleitungen der Bahn birgt Sicherheitsrisiken.Foto: dpa

Die Deutsche Bahn hat einen Zeitungsbericht über unzureichende Sicherheitsvorschriften für Arbeiten in der Nähe von Oberleitungen zurückgewiesen. "Sicherheit ist bei der Deutschen Bahn oberstes Gebot, dem hat sich alles unterzuordnen", erklärte der Konzern am Freitag in Berlin. Das Richtlinienwesen der Bahn unterliege ständiger Bewertung und Überprüfung.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte zuvor berichtet, dass die Bahn trotz tödlicher Arbeitsunfälle an Oberleitungen offenbar aus Kostengründen jahrelang ihre Sicherheitsvorschriften nicht verschärft habe. Auch geltende Standards seien nicht eingehalten worden, berichtete das Blatt unter Berufung auf interne Mails und Dokumente. Mitarbeiter des Konzerns hatten demnach wiederholt vor den Gefahren gewarnt und strengere Regeln gefordert.

Kosten für mehr Sicherheit waren wohl ein Problem

Von 2008 bis 2012 starben dem Bericht zufolge mindestens sieben Arbeiter von Fremdfirmen, die von der Bahn mit Arbeiten in Gleisnähe beauftragt wurden, bei Stromunfällen. In etlichen Fällen seien die Sicherheitsvorkehrungen offenbar mangelhaft gewesen.

Gegen eine Arbeitsanweisung zum Schutz der Arbeiter habe es offenbar erheblichen Widerstand gegeben. So heiße es beispielsweise in einer Mail, es seien "finanzielle Nachteile für unser Unternehmen zu erwarten", wenn die Mindestabstände über die gewohnten Schutzabstände hinausgingen.

Bahn verweist auf Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Die fertiggestellte Arbeitsanweisung sei nicht wie geplant in Kraft gesetzt worden. Stattdessen habe es geheißen, man müsse diese "unbedingt" einer "unternehmerischen Bewertung" unterziehen. Erst nach dem Tod von zwei Arbeitern im Juli 2012 sei die Anweisung veröffentlicht worden.

Die Deutsche Bahn verwies im Zusammenhang mit diesem Fall auf ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren. Die Staatsanwaltschaft Hannover sei dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass bei der Deutschen Bahn "kein regel- und pflichtwidriges Verhalten festgestellt werden konnte", erklärte der Konzern. Die Generalstaatsanwaltschaft Celle habe die ordnungsgemäße Einstellung des Verfahrens bestätigt. (AFP)

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