Tourismus : 1001 Andenken auf der ITB

Das Geschäft mit Souvenirs ist in vielen Ländern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die ITB gibt Einblick in die Welt der Mitbringsel.

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In Ruanda kaufen Touristen gerne landestypische Sisal-Körbe. Foto: Anke Myrrhe
In Ruanda kaufen Touristen gerne landestypische Sisal-Körbe.Foto: Anke Myrrhe

Berlin - Jacques Vergote rührt mit seiner Kelle in dem großen Behälter, der bis zum Rand mit Schokolade gefüllt ist. „Kommen Sie näher“, ruft er in flämisch gefärbtem Englisch. „Lernen Sie, wie belgische Schokolade gemacht wird!“ Eine Menschentraube bildet sich um seine Präsentationsfläche am Stand des flämischen Fremdenverkehrsamts auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB). Schritt für Schritt zeigt Vergote, wie die kleinen Köstlichkeiten entstehen, für die sein Land so berühmt ist. Wer nach Belgien fährt, egal ob nach Flandern, Brüssel oder Wallonien, bringt neben einem Sixpack Kirschbier meist auch eine Schachtel Pralinen mit.

Ein aufmerksamer Rundgang über die ITB offenbart die ganze bunte Welt der Mitbringsel aus fernen Ländern: Teppiche aus Tibet, Zigarren aus Kuba, Miniatur-Eiffeltürme aus Paris, Wollmützen aus Peru. Ob sinnloser Nippes oder Nutzgegenstand – Souvenirs sind in vielen Ländern ein Wirtschaftsfaktor. Nach einer Erhebung des Deutschen Tourismusverbands fließen 50 Prozent des Geldes, das Touristen in Deutschland ausgeben, in den Einzelhandel. Natürlich kaufen die Besucher nicht nur Souvenirs. Doch allein in Berlin werden jährlich rund 50 Millionen Euro mit Andenken umgesetzt, vermutet Thomas Thiele von Max 2001, einem der größten Souveniranbieter der Stadt, der das bunte Berlin-Logo entworfen hat. Auf rund 400 Produkten wird es inzwischen jährlich zweimillionenfach verkauft.

Im Vergleich zum Exportschlager Belgiens ist das aber eher bescheiden. Jacques Vergote reicht das Tablett mit den frischen Pralinen herum. Einhellige Meinung: Köstlich! Pralinen, Schokolade und Kekse machen rund 13 Prozent der belgischen Nahrungsmittelwirtschaft aus. 10 408 Menschen arbeiten in den 350 belgischen Unternehmen, die mit den Süßigkeiten jährlich einen Umsatz von 5,3 Milliarden Euro machen. Allein in Brüssel gibt es über 100 Schokoladen-Geschäfte. Doch natürlich kaufen dort auch die Einheimischen ein. „Wie hoch der Anteil der Souvenirkäufe ist, wissen wir nicht“, sagt Anja Verwilghen vom flämischen Tourismusbüro.

Nicht nur die belgischen kulinarischen Spezialitäten verkauften sich gut, auch Schinken aus Italien, Käse aus der Schweiz oder Leberpastete aus Dänemark werden gerne mitgebracht. Und im Gegensatz zu vielen anderen Andenken, die Urlauber auf ihrer Reise kaufen, verstauben sie nicht nach der Rückkehr im Regal.

Dabei sind viele Souvenirs sogar richtig teuer. Etwa 100 Dollar muss man für einen handgewebten Korb aus Ruanda einrechnen. Die Körbe aus Sisal-Agave herzustellen dauert bis zu drei Monate, erklärt Tourismusmanager Ngabire Rumanzi Adrien. Im Vergleich zu anderen Ländern Afrikas spielt der Tourismus in Ruanda noch kaum eine Rolle. „Für uns aber ist er extrem wichtig“, sagt Adrien. Touristen kaufen vor allem die wichtigsten Exportgüter Kaffee und Tee, mit Handarbeit aber lässt sich mehr Geld verdienen.

Besonders zahlreich sind solche Arbeiten am Stand Jordaniens zu finden. Stolz zeigt Riyadh seine Mosaikbilder aus Stein. Er ist aus Madaba, der „Hauptstadt des Mosaiks“, wie er sagt, und knipst dort den ganzen Tag mit einer Zange große Steine zu kleinen Stücken, aus denen er Bilder setzt. Nebenan bemalt sein Freund Straußeneier. Wie ein Tätowierer setzt er jeden Punkt und braucht so etwa 120 Stunden. Dafür verkauft er sie dann für bis zu 200 Dollar. Eine billigere Variante des Andenkens hat eine Beduinin anzubieten. Sie verkauft kleine Häkeltaschen, wie man sie auch in Lateinamerika findet, für zwei bis fünf Dollar. „Davon kann man ganz gut leben“, sagt Riyadh. Verkaufen können die Jordanier ihre Arbeiten aber nur auf Basaren, Souvenirläden gibt es nicht.

Das ist auch in Serbien ein Problem. Beliebtestes Souvenir sind dort die traditionellen Lederschuhe, „Opanke“. Einen Tag brauche er für einen Schuh, erzählt Dejan, „ich verkaufe sie je nach Größe für 20 bis 50 Euro.“ Weil die Schuhe allein nicht ausreichen, hat er auch Flöten und anderen Kleinkram im Angebot, zum Beispiel das bei Touristen beliebte Licitarsko-Herz. Wie ein knallrotes Lebkuchenherz mit Verzierung sieht es aus, nur dass in der Mitte ein kleiner Spiegel befestigt ist. „Wenn einem eine Frau gefällt, schenkt man ihr ein Herz, damit sie ihre Schönheit im Spiegel sieht“, erklärt Dejan. Diese Herzen sind sicher die ersten Kandidaten für die Staubecke.

Doch einfach entsorgen? Geht nicht. Souvenir heißt schließlich Erinnerung. Und die wirft man nicht einfach weg.

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