Tourismus : Berlin liegt vorn

Für den Tourismus ist 2009 ein Rekordjahr. Trotz der Wirtschaftskrise kamen wieder mehr Touristen nach Berlin – aber Budgets und Hotelauslastung schrumpfen.

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Anziehungspunkt. Berlin wird vor allem bei ausländischen Gästen beliebter, so steigt etwa ihr Anteil an den Übernachtungen. Foto:...dpa

Berlin - Diese Nachricht verkündete Klaus Wowereit persönlich: „2009 war das beste Tourismusjahr aller Zeiten für Berlin – trotz der Wirtschafts- und Finanzkrise.“ Oder gerade deshalb, denn die gezielte Vermarktung der Hauptstadt als relativ preiswertes Reiseziel hat offenbar funktioniert: 8,3 Millionen Menschen besuchten Berlin im vergangenen Jahr – ein Zuwachs von 4,5 Prozent. Weil die Gäste im Durchschnitt länger blieben als in früheren Jahren, stieg die Zahl der Hotelübernachtungen binnen Jahresfrist sogar um 6,2 Prozent auf fast 19 Millionen. Zwar sank zugleich das Budget der Touristen von 197 auf 182 Euro pro Tag, aber die Branche ernährt rund 230 000 Menschen und trägt knapp sieben Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der Stadt bei. Für 2010 hofft der Regierende Bürgermeister, dass Berlin die Marke von 20 Millionen Übernachtungen knackt.

Burkhard Kieker, Chef der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) bezeichnete Berlin bei der Präsentation der Bilanz im Roten Rathaus als „einsamen Champion“ sowohl im bundesweiten als auch im internationalen Vergleich: Dem Berliner Zuwachs von 6,2 Prozent stünden Abstürze wie der von Rom (minus 22 Prozent) und London (minus zehn Prozent) gegenüber. Nur New York (plus 1,3 Prozent) und Barcelona (plus 2,6 Prozent) hätten im Vorjahr leicht zugelegt. Statistisch erfasst werden nur Übernachtungen in Betrieben mit mindestens neun Betten. Gäste, die in Ferienwohnungen oder bei Freunden und Verwandten übernachten, werden also nicht gezählt.

In Deutschland wirbt die BTM für Berlin mit dem Slogan „Die einzige Weltstadt, die nicht die Welt kostet.“ Zum Beleg führte Kieker die durchschnittlichen Kosten für ein Zimmer in Vier- bis Fünf-Sterne-Hotels an: 345 Euro in London, 335 Euro in Paris und 138 Euro in Berlin, wo die Häuser relativ neu und entsprechend gut in Schuss seien. „Hier hat sich eine Liga von Überlebenskünstlern entwickelt“, sagte der Tourismuschef. Die Hoteliers hätten ihre Kostenstrukturen hervorragend im Griff.

Die Nebenwirkungen dieser Lage präsentierte Ulrike Rockmann, Präsidentin des Berlin-Brandenburger Statistikamtes: Die Zahl der Arbeitsplätze im Gastgewerbe sei trotz des Booms um 1,5 Prozent gesunken, die der Vollzeitstellen sogar um 2,5 Prozent. Der Umsatz der Branche sei sogar um fünf Prozent zurückgegangen. Wie viel dazu die Berliner selbst beigetragen haben, indem sie seltener ins Restaurant gingen, ist unbekannt.

Offensichtlich ist dagegen, dass die Hotelpreise unter Druck stehen: Die Zahl der Betten in der Hauptstadt wuchs binnen Jahresfrist um zehn Prozent auf rund 110 000. In der Folge sank auch die Auslastung der Hotels leicht auf knapp 50 Prozent. Für Wowereit kein Grund zum Eingreifen: Weitere Neubauten „können und wollen wir nicht verhindern“, sagte er. „Das ist nun mal Wettbewerb.“

Während BTM-Chef Kieker die Zusammenarbeit mit Senat und Gastgewerbe lobte, warf er dem Handel vor, „ordentlich Trittbrett zu fahren“: Obwohl Touristen 40 Prozent ihres Budgets in die Läden trugen, beteiligten sich die Händler nicht an der Werbung um Gäste. Ein Vorwurf, den Günter Päts, Vizechef des Handelsverbandes, zurückwies: Man unterstütze Stadtteilfeste, habe einen Fremdsprachenkurs für Verkäufer publiziert und die Freundlichkeitskampagne „Mit Herz und Schnauze“ mitfinanziert. Einzig „das Flaggschiff KaDeWe“ habe sich wegen der Insolvenz des Karstadt-Mutterkonzerns im vergangenen Jahr etwas weniger beteiligen können als sonst.

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