Wirtschaft : Tourismus-Fusion ist startklar

HEIKE JAHBERG

Ja des Kartellamts für die Ehe TUI / Hapag-Lloyd steht bevorVON HEIKE JAHBERG BERLIN.Friedel Neuber, Chef der Westdeutschen Landesbank (WestLB), ist in diesen Tagen viel unterwegs.Seine Mission: Er muß die Erben des LTU-Gründers Conle auf Kurs bringen.Sie sollen dem Plan des Bankers zustimmen, die Beteiligung in Höhe von 34 Prozent, die die WestLB derzeit noch an dem Düsseldorfer Ferienflieger hält, an einen Treuhänder zu übertragen.Nur so kann Neuber sein ehrgeiziges Ziel, rund um die WestLB einen finanzstarken Tourismuskonzern zu schmieden, erreichen. Doch die Gespräche dauern länger als erwartet."Die Erben scheinen sich zu zieren", heißt es in der Branche.Doch ohne die Conle-Töchter läuft nichts.Sie halten zwei Drittel der Anteile an der LTU und haben ein Vorkaufsrecht für das von der Düsseldorfer Bank gehaltene Restdrittel.Und nicht zu vergessen: Im Rheinland herrscht König Karneval.So wurde es auch in der vergangenen Woche wieder nichts mit der großen Tourismusfusion von Preussag/Hapag-Lloyd und der TUI, die gemeinsame Sache im sogenannten "roten Tourismuslager" machen wollen. Dennoch glaubt man im Bundeskartellamt, daß es nur noch eine Frage der Zeit ist, wann die Tourismus-Allianz auch die letzten Hürden nimmt.Am Platz der Luftbrücke rechnet man nun damit, daß in der nächsten Woche alles über die Bühne gehen wird. Zur Erinnerung: Bekanntlich hat die von der WestLB beherrschte Preussag den Reiseveranstalter Hapag-Lloyd gekauft, der 30 Prozent an dem Hannoveraner Reiseriesen TUI hält.Da die Düsseldorfer Bank bereits eine eigene Beteiligung an der TUI in gleicher Höhe hat, könnte Friedel Neuber auf diesem Wege seinen Einfluß verdoppeln.Stimmt das Bundeskartellamt dem Deal zu, ist der weitere Gang der Dinge vorgezeichnet.Dann will die Preussag - mit der WestLB im Hintergrund - die bereits laufenden Gespräche mit Schickedanz und der Deutschen Bahn, die jeweils über 20 Prozent an der TUI verfügen, über einen Verkauf ihrer Anteile intensivieren. Einziger Schönheitsfehler: Neben der TUI ist die WestLB derzeit auch mit besagtem 34-Prozent-Anteil bei der LTU im Boot.Und das, so haben die Wettbewerbshüter deutlich gemacht, verträgt sich nicht.Seit einiger Zeit sucht Friedel Neuber daher nach einer Lösung, wie er sich von dem Pauschal-Carrier und Reiseveranstalter trennen kann, ohne unter Zeit- und damit Preisdruck zu kommen.700 Mill.DM soll die WestLB seinerzeit dafür bezahlt haben, den Fuß in die Tür bei LTU zu bekommen.Mindestens das will man jetzt wieder erlösen. Um der WestLB den nötigen Verhandlungsspielraum einzuräumen, ist Hans-Jürgen Ruppelt, der neue Leiter der zuständigen Beschlußabteilung im Bundeskartellamt, bereit, dem Geldhaus eine großzügige Frist von rund drei Jahren für die endgültige Veräußerung der LTU-Anteile einzuräumen.Doch auch nach einem "Okay" aus Berlin wird das Kartellamt nicht ganz aus dem Spiel sein.Haben Ruppelt und seine Mitarbeiter den Eindruck, daß die WestLB die Käufersuche nicht ernsthaft genug betreibt, können sie später notfalls eingreifen und einen eigenen Treuhänder einsetzen.Damit behält man sich ein Druckmittel vor. Nach den Vorstellungen der Kartellwächter braucht die WestLB derzeit zwar noch keinen Käufer für das LTU-Drittel zu präsentieren, sie müsse aber schon jetzt die Weichen dafür stellen, daß die LTU als starker Anbieter im Markt bleibe.Das ist nicht ohne.Denn zwar mangelt es nicht an ernsthaften Interessenten - 16 sollen es nach Angaben der WestLB derzeit insgesamt sein -, doch einige Erwerber könnten WestLB/Preussag das Leben ganz schön schwer machen.So liebäugelt der britische Reisekonzern Airtours mit einem Einstieg auf dem lukrativen deutschen Reisemarkt und wäre durchaus bereit, dafür einige Pfund Sterling locker zu machen. Lieber dürfte Neuber dagegen ein anderer Geschäftspartner sein.Mit der Deutschen Bahn etwa böte sich ein Tausch der Beteiligungen geradezu an.Die 20-Prozent-Anteile der Bahn an der TUI gegen die 34-Prozent-Beteiligung der WestLB an der LTU.Nach einem Bericht der Frankfurter Rundschau vom Sonnabend ist auch die Versicherung Axa Colonia im Gespräch.Dort könnte die WestLB ihre Beteiligung zwischenparken, das heißt zur treuhänderischen Verwahrung übergeben.

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