Tourismus : Karstadt-Quelle übernimmt Thomas Cook komplett

Die Lufthansa verkauft ihren 50-Prozent-Anteil am Tourismuskonzern Thomas Cook für 800 Millionen Euro an Karstadt-Quelle. Im Gegenzug stockt Lufthansa ihre Anteile an der Thomas-Cook-Tochter Condor auf.

Frankfurt/Essen - Die Lufthansa bestätigte die Vereinbarung am Freitagabend. Eine entsprechende Absichtserklärung sei unterzeichnet worden. Mit dem Verkauf wird die Lufthansa ihren Anteil an der Thomas-Cook- Flugtochter Condor von 10 auf 24,9 Prozent aufstocken. Dafür zahlt Lufthansa 20 Millionen Euro. Auch erhält Lufthansa den 50-Prozent- Anteil der Condor an der türkischen Fluglinie Sun Express. Zudem wurden Verkaufssperren und Vorkaufsrechte zu Condor vereinbart, die einen raschen Weiterverkauf der Fluglinie durch Karstadt-Quelle verhindern.

"Mit dieser Entscheidung setzen wir die Strategie fort, uns zu fokussieren", sagte Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber. Die Touristikbranche erfordere Investitionen, Lufthansa wolle aber nur in ihr Kerngeschäft investieren. Die Entwicklung der Condor werde Lufthansa aber aktiv mitgestalten.

Tourismus als dritte Standbein

Karstadt-Quelle will die Tourismussparte neben den Warenhäusern und dem Versandhandel zu seinem dritten großen Standbein machen. Europas zweitgrößter Tourismuskonzern hat rund 23 000 Mitarbeitern und einen Jahresumsatz von rund acht Milliarden Euro. Karstadt-Quelle setzt mit dem Kauf nach mehreren Jahren der Sanierung wieder auf Expansion. Tourismus bezeichnet Karstadt-Quelle als Teil seines Kerngeschäftes.

Während Neckermann Reisen dann wieder komplett bei dem Handelskonzern wäre, soll das Versandhaus neckermann.de nach einer früheren Mitteilung von Karstadt-Quelle an die Börse gebracht oder an Dritte verkauft werden.

Für die Finanzierung des Kaufs will Karstadt-Quelle einen noch gehaltenen Anteil an den Warenhaus-Immobilien des Konzerns verkaufen. Ein Angebot über 800 Millionen Euro liege von einem nicht genannten Interessenten liege vor, hieß es in der Karstadt-Quelle-Mitteilung.

Condor-Betriebsrat befürchtet "Tod auf Raten"

Der Condor-Betriebsrat verurteilte den Verkauf scharf. Damit setze Lufthansa bei Condor 2700 Arbeitsplätze aufs Spiel. Karstadt-Quelle werde dauerhaft nur einen Teil der heutigen Flotte von 36 Flugzeugen brauchen. Um das Überleben dauerhaft zu sichern, wären aber Investitionen in neue Maschinen notwendig. Der Wechsel werde "Condor einen Tod auf Raten sterben lassen", sagte die Betriebsrats- Vorsitzende Annemarie Maiwald.

Mit der Neuordnung erhält Lufthansa nun auch ein großes Standbein in der Türkei. Die einst als Ferienflieger gegründete Sun Express ist inzwischen auch als Billigflieger in der Türkei sehr aktiv. Das stark expandierende Unternehmen erzielte 2005 knapp 200 Millionen Euro Umsatz und 16 Millionen Gewinn vor Steuern. Zweiter Anteilseigner ist neben Lufthansa die türkische Nationalfluglinie Turkish Airlines. Die Lufthansa ist im Ausland unter anderem bereits mit Air Dolomiti in Italien, Swiss in der Schweiz und einer Minderheitsbeteiligung in Großbritannien vertreten.

Thomas Cook war in den 90er Jahren durch die Zusammenlegung von Condor und Neckermann Reisen entstanden, danach wurde die britische Thomas Cook übernommen und der Konzern umbenannt. Zuletzt war immer wieder spekuliert worden, der Konzern werde in die Bereiche Flug und Reiseveranstalter aufgespalten. Condor hätte dann in die Lufthansa integriert werden können oder wäre an einen Dritten gegangen.

Der Verkauf steht noch unter dem Vorbehalt der Aufsichtsräte von Lufthansa und Karstadt-Quelle sowie der Kartellbehörden. Die Transaktion soll im ersten Quartal 2007 vollzogen werden. (tso/dpa)

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