Tourismus : Niederländer entdecken Deutschland neu

Deuschland ist das beliebteste Urlaubsziel der Niederländer - fast 500.000 kommen aus dem Nachbarstaat nach Berlin.

Bart Funnekotter

Berlin - Deutschland war im vergangenen Jahr das beliebteste Urlaubsziel der Niederländer. Vor einem Jahrzehnt hätte dies noch niemand geglaubt, aber Untersuchungen des Niederländischen Reisemonitors „Continu Vakantie Onderzoek“, die Anfang 2008 veröffentlicht wurden, belegen es,. Deutschland rückte 2007 bei den Niederländern mit 2,94 Millionen Urlaubsreisen vor dem einstigen Favoriten Frankreich an die erste Stelle.Frankreich konnte im vergangenen Jahr nur 2,65 Millionen holländische Feriengäste begrüßen.

Die wichtigsten Zielgebiete der Niederländer sind Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz: Die Bundesländer empfingen ein Fünftel der Reisenden. Berlin wiederum ist mit Abstand die populärste Stadt: Fast 500 000 Holländer reisten 2007 an die Spree. Auch Köln wurde mit 125 000 Gästen aus dem Westen gut besucht. Aber woher kommt die Beliebtheit Deutschlands?

Auf der Reisemesse ITB in Berlin finden sich viele Erklärungsansätze. Am Stand von Tourismus Marketing Brandenburg steht Jörn Gunther. „Die Niederländer sind bei Weitem die größte Gruppe Urlauber, die wir empfangen. Dass sie so gerne nach Brandenburg kommen, liegt womöglich daran, dass die Mark ihrem eigenen Land so ähnlich ist.“ Er lächelt. „Der höchste Berg ist 120 Meter hoch, es gibt viel Wasser und man kann hier gut Rad fahren. Wie zu Hause.“

Aber das war vor zehn Jahren natürlich alles genauso. Was hat sich in den Köpfen der Niederländer seitdem geändert? Ronald van Weezel, Niederländer und General Manager des Hilton Hotels am Gendarmenmarkt, denkt, dass seine Landsleute „endlich wieder die Augen geöffnet haben“. Urlaub in Deutschland, das war lange Zeit nur für Menschen mit wenig Geld interessant. „Eine Rhein-Reise war den meisten nicht vornehm genug. Blöde Schiffe und süßer Wein. Die Holländer hielten sich lieber auf einem Campingplatz in der Dordogne in Frankreich auf. Und natürlich, der Zweite Weltkrieg hat mit der geringen Popularität Deutschlands auch viel zu tun gehabt. Was mir auffällt, ist, dass das jetzt viel weniger wichtig ist als noch in den neunziger Jahren. Der Krieg wird immer mehr Geschichte.“

Und weil es jetzt kein Tabu mehr ist, nach Deutschland zu reisen, können die Niederländer das Land wieder entdecken. Van Weezel: „Es gibt hier prächtige Städte und schöne Natur. Ich spreche oft mit Gästen aus Holland, die drei oder vier Tage in Berlin sind und es bedauern, dass sie nicht noch ein wenig länger bleiben können.“

Dass die Niederländer Deutschland entdecken wollen, wissen sie auch bei Van der Valk, dem größten Hotelkonzern Hollands. Das erste Van-der-Valk -Hotel wurde 1986 in Moers eröffnet. Heute ist der Konzern mit neun Hotels, einem Ferienressort und einer Skihalle auf dem deutschen Markt präsent. Zum Vergleich: In Frankreich gibt es nur zwei Van-der-Valk-Hotels. Melanie van Kranen, Sales & Marketing Manager Van der Valk Deutschland, stimmt van Weezel zu. „Deutschland ist sehr vielseitig: Es gibt hier ein bisschen Frankreich, ein bisschen Schweiz und ein bisschen Holland. Das heißt: Deutschland hat schöne Landschaften, eine gute Küche und guten Wein, man kann hier Ski fahren, aber auch Radeln und Segeln.“ Die deutsche Tourismusindustrie ist dazu sehr kreativ, meint Van Kranen. „Sie denkt sich immer neue Konzepte aus. Deswegen kommen die Niederländer gerne zurück.“ Dass sich viele Urlaubsgebiete in der Nähe ihrer Heimat befinden, ist für Familien mit Kindern ein wichtiges Plus, sagt Van Kranen. „Wenn’s schiefgeht, ist man schnell wieder zu Hause.“

Und Deutschland ist ein billiges Land. Das haben die Niederländer immer gerne, sagt ein Mitarbeiter des Niederländischen Standes auf der ITB. „Hier in Berlin bekommt man für zehn Euro ein Schnitzel, das über beide Seiten des Tellers hinausragt. Zu Hause würde das viel mehr kosten. So etwas ist gut für das richtige Urlaubsgefühl.“ Bart Funnekotter

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