Tourismus : Und sie fliegen doch

Trotz der Unruhen: Nur wenige Urlauber wollen jetzt nicht nach Thailand reisen.

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Check-in in Bangkok. Mehr als 500 000 deutsche Touristen reisten im vergangenen Jahr nach Thailand. Foto: AFP

Berlin/Düsseldorf - Thailand kommt nicht zur Ruhe: erst der Tsunami im Dezember 2004, nun seit einem halben Jahr politische Unruhen und Terror. Ende vergangenen Jahres blockierten Demonstranten den Flughafen in Bangkok. Tausende Reisende saßen über Tage hinweg fest. Jetzt eskaliert die Gewalt erneut. Dennoch bleibt Thailand eines der beliebtesten Reiseziele. Knapp 546 000 Deutsche zog es 2008 in das asiatische Urlaubsparadies, berichtet das thailändische Fremdenverkehrsamt. Auch für 2009 rechnet die Behörde mit einem ähnlichen Niveau – den Unruhen zum Trotz.

Können die Probleme vor Ort den deutschen Touristenströmen nichts anhaben? Die Reiseveranstalter haben darauf unterschiedliche Antworten. Tui berichtet von Nachfragerückgängen für Urlaubsreisen nach Thailand in der abgelaufenen Wintersaison. „Wir vermuten, dass das mit der Flughafenblockade zu tun hat“, sagt Tui-Sprecher Michael Blum. Bei den Wettbewerbern Thomas Cook und Deutsches Reisebüro (DER) ist davon nichts zu spüren. „Thailand ist nach wie vor sehr attraktiv, vor allem durch das Verhältnis von Preis und Leistung“, sagte DER-Sprecherin Angela de Sando.

Dieser Meinung ist man auch beim Deutschen Reiseverband (DRV). Thailand gehöre zu den Urlaubsgebieten, die viele Stammgäste haben, erklärt Torsten Schäfer vom DRV. „Deshalb hat sich die Region bisher immer wieder erholt.“ Zudem könnten die Touristen genau unterscheiden, wo ein Konflikt stattfindet. Laut DRV zieht es 80 Prozent der deutschen Urlauber an die thailändischen Strände und damit vor allem in den Süden des Landes – weit weg von den Unruhen im Regierungsviertel von Bangkok. „Das ist, wie wenn sie nach Sylt reisen und in München etwas passiert“, erklärt Schäfer.

Dieser Unterschied scheint in der aktuellen Krise den meisten bewusst zu sein. Nur wenige Touristen wollten offenbar auf ihre Strandreise verzichten oder sie verschieben. Bei Thomas Cook baten am Dienstag zwei Urlauber explizit mit Verweis auf die Unruhen um einen späteren Termin, der ihnen nach Konzernangaben kostenfrei gewährt wurde. Bei DER erkundigten sich lediglich vereinzelte Touristen nach der Lage vor Ort.

„Alles normal und ruhig“, heißt es auch bei der Fluggesellschaft Air Berlin, die derzeit zehn Mal pro Woche von verschiedenen Städten aus nach Bangkok und vier Mal pro Woche von München nach Phuket fliegt. Es gebe keine Anfragen nach Stornierungen, sagte eine Sprecherin. „Aber wir beobachten die Lage aufmerksam und können im Ernstfall schnell und flexibel reagieren.“

Wer dennoch in diesen Tagen lieber nicht nach Bangkok fliegen will, kann sich nach Ansicht der Verbraucherzentrale auf höhere Gewalt berufen und seine Reise kostenlos stornieren. „Maßstab für die Möglichkeit einer kostenlosen Stornierung ist normalerweise eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes“, sagt Eva Klaar, Reiserechtsexpertin der Verbraucherzentrale Berlin. Die wurde bis jetzt nicht ausgesprochen. Das Amt hat aber Sicherheitshinweise vor allem für Bangkok und Umgebung gegeben. Wer nicht über Bangkok fliegt und eine Pauschalreise etwa nach Phuket oder eine andere nicht betroffene Region absagt, muss mit Stornokosten rechnen. „Viele Reiseveranstalter zeigen sich jedoch bereits bei Sicherheitshinweisen kulant und bieten Umbuchungsmöglichkeiten an“, sagt Klaar. „Es lohnt sich auf jeden Fall, mit dem Veranstalter in Kontakt zu treten.“ Das bestätigten die Reiseveranstalter. Man sei bereit, individuelle Lösungen zu finden, versicherten mehrere Anbieter. Etwas anders ist es bei reinen Flugreisen. „Solange die Maschine das Ziel anfliegt, kann man nicht kostenlos zurücktreten“, sagt Klaar. Vor allem bei preiswerten Tickets gibt es in der Regel kein Geld zurück. Allerdings müssen dann in jedem Fall Sicherheitsgebühr und Flughafensteuer erstattet werden.

David C. Lerch/Corinna Visser

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