Tourismusbranche : Tui kauft Dorf in der Toskana

Der Reise- und Schifffahrtskonzern Tui will aus seinem tiefen Tal heraus und wieder profitabel werden. Um seinen Hotelbereich zu stärken, hat sich der Konzern ein ganzes Dorf in der Toskana gekauft - und steuert damit das größte Projekt in der Firmengeschichte an.

Hannover - Dabei will Vorstandschef Michael Frenzel weiter sparen. Hohe Erwartungen setzt er in die geplante Fusion mit dem britischen Reiseveranstalter First Choice. "Wir stellen uns stärker auf in einem sich dramatisch verändernden Markt", sagte Frenzel auf der Hauptversammlung in Hannover vor mehr als 2000 Aktionären mit Blick auf das weitere Vorrücken von Internetanbietern und Billigfliegern. Um den Hotelbereich zu stärken, plant Tui in der Toskana das größte Tourismusprojekt der Firmengeschichte und hat dazu ein ganzes Dorf gekauft.

In das Projekt will Tui einen "mittleren dreistelligen Millionenbetrag" investieren. Das bestehende Dorf mit Kirche und mittelalterlicher Burg soll saniert werden. Neben Hotels, Läden und einem Golfplatz soll es auch neue Villen und Wohnungen geben, die die Tui dann verkaufen will. Baubeginn soll 2008 sein.

Aktionäre äußerten scharfe Kritik an Frenzel. Die Ergebnisse seien "katastrophal". Die Tui zahlt ihren Aktionären für das Geschäftsjahr 2006 keine Dividende. Andernfalls wäre die Substanz des Unternehmens geschwächt worden, sagte Frenzel. DWS-Fondsmanagerin Susan Levermann sprach von einer "völlig enttäuschenden unternehmerischen Bilanz." Michael Gierse von Union Investment sagte, die Aktionäre hätten ihr Geld besser in andere Unternehmen investieren sollen. Bereits 2006 hatten Aktionäre geschimpft, Tui stehe für "Tränen unter Investoren".

Frenzel: Keine Angst vor "Heuschrecken"

Finanzinvestoren hatten von Frenzel wiederholt eine Zerschlagung des Konzerns gefordert. In der Vergangenheit war die Tui wegen ihres vergleichsweise geringen Börsenwerts mehrfach als Übernahmekandidat gehandelt worden. Frenzel sagte, er sehe aktuell keine Gefahr einer Übernahme durch Hedge-Fonds. 2006 sei das "Jahr der Neuausrichtung" gewesen. "Der Konzern ist trotz der Turbulenzen des letzten Jahres insgesamt gut aufgestellt." Eine Prognose für das Gesamtjahr gab er erneut nicht ab.

In der Touristik aber verdient die Tui nicht einmal ihre Kapitalkosten. Auch das zweite Standbein, die Schifffahrt, schwächelt. 2006 war der Konzern tief in die roten Zahlen gerutscht, vor allem wegen Verlusten in der Schifffahrt - Hauptgrund waren geringe Frachtraten und gestiegene Ölpreise. Zudem wurde das Konzernergebnis durch Sonderabschreibungen belastet.

Um ihre Kostenstruktur zu verbessern, will die Tui bis 2008 wie bereits angekündigt 250 Millionen Euro Kosten bei Produktionsprozessen und in den Verwaltungsbereichen sparen. Dieses Ziel gelte auch nach dem Zusammenschluss mit First Choice. Zum Sparkurs gehört auch die Streichung von hunderten von Stellen.

Die Konzernzentrale in Hannover, die für die Steuerung der beiden Geschäftsfelder Touristik und Schifffahrt zuständig ist, soll deutlich verkleinert werden. Die Holdingkosten sollen von 110 Millionen Euro auf 40 Millionen Euro gesenkt werden. Bisher war von 40 Millionen Euro Einsparungen die Rede gewesen.

Fusion soll Ertragskraft steigern

Mit der geplanten Fusion des Tui-Reisegeschäfts mit dem Veranstalter First Choice, der als Ertragsperle gilt, soll die Ertragskraft deutlich gesteigert werden. Frenzel sagte, der Zusammenschluss eröffne neue Expansionsmöglichkeiten in hochprofitablen Spezialmärkten. Durch die Fusion werde eine höhere Umsatzrendite und Synergieeffekte von rund 150 Millionen Euro erwartet. An dem neuen Unternehmen Tui Travel hält die Tui AG die Mehrheit von 51 Prozent, First Choice 49 Prozent. Sitz ist London.

Frenzel sagte, er sei nach dem positiven Bescheid für die Fusion der Konkurrenten Thomas Cook und My Travel zuversichtlich, dass die Tui Anfang Juni die Freigabe der EU-Kommission erhalte. Den in London geplanten Börsengang von Tui Travel erwarte er Ende August. Das Touristik-Ergebnis 2007 werde "sehr wesentlich" vom Zeitpunkt der Kartellfreigabe für die Fusion bestimmt. (tso/dpa)

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