Wirtschaft : Tourismusgigant Preussag wächst weiter

DÜSSELDORF (ek/kol/mot/HB).Die Preussag AG baut ihr Touristikreich weiter aus.So wird die Hapag Touristik Union (HTU), in der die Preussagtöchter Hapag Lloyd und TUI zusammengefaßt sind, die Mehrheit am britischen Reisekonzern Thomas Cook erwerben.Nach Informationen des "Handelsblatts" will Preussag-Chef Michael Frenzel am Wochenende bereits die entsprechenden Verträge unterzeichnen.Frenzel, so hieß es in den Verhandlungen nahestehenden Kreisen, sei es wichtig, den Kauf noch vor Weihnachten über die Bühne zu bringen.

Ebenfalls noch vor Weihnachten wird HTU wohl auch die Übernahme der Mehrheit an der größten deutschen Reisebürokette, der First Reisebüro Management GmbH & Co.KG unter Dach und Fach bringen.Wie in einem Teil der gestrigen Auflage bereits gemeldet, hat HTU den 15 Gesellschaftern der Gruppe ein Angebot für den Erwerb ihrer Anteile gemacht.Der geplanten Übernahme von 50,1 Prozent an First scheint nun nichts mehr entgegenzustehen.

In der Branche stößt der rasante Vorstoß des ehemaligen Stahlkochers Preussag in das Touristik-Geschäft auf Skepsis.Palmen, Sandstrand und Sonne gefielen dem Preussag-Management offenkundig besser als das Stahlgeschäft, mutmaßen Kollegen.Ob Preussag das nötige Know-how für das neue Engagement mitbringe, sei indes zweifelhaft.Treibende Kraft der aktuell geplanten Fusionen ist der Preussag-Großaktionär Westdeutsche Landesbank (WestLB).Die WestLB hält sowohl die Mehrheit an der britischen Thomas Cook, als auch 18,7 Prozent an der First-Gruppe.Rund um die HTU, die jetzt schon das größte Touristikunternehmen Europas ist, entstünde mit den Übernahmen ein Reisekonzern mit weit über 2000 Reisebüros und einem Gesamtumsatz von schätzungsweise 18 Mrd.DM.

Das Übernahmeangebot des Preussag-Konzerns an die Reisebürogruppe First kam für die Anteilseigner überraschend, doch nicht ganz unwillkommen: "Vor einer Woche war der Einstieg von HTU bei uns noch kein Thema", sagte Manfred Rudolph, Aufsichtsratsvorsitzender von First, dem "Handelsblatt".Doch der Vorschlag, die Anteile zu erwerben, sei zu einem Zeitpunkt gekommen, da die 1993 als Franchise-Organisation gegründete Reisebürogruppe mit 600 Büros bundesweit ernsthaft über ihre Zukunft nachzudenken begonnen habe.

Trotz anhaltend positiver Umsatz- und Kostenentwicklung - die Gruppe erwartet in diesem Jahr 3,6 Mrd.DM Umsatz und peilt 1999 rund 4 Mrd.DM an - sind den Gesellschaftern Rudolphs Angaben zufolge Zweifel gekommen, ob sie in den sich rasch verändernden Märkten "als Mittelständler noch durchhalten können".Vor allem im Geschäftsreisesektor sieht First demnach die übermächtige Konkurrenz der global aktiven Wettbewerber wie American Express oder Carlson Wagonlits Travel.

Bei First gebe es im Blick auf die Zukunft durchaus die Meinung: "Alleine geht es nicht weiter." Ob es zu einer - durchaus als freundlich empfundenen - Übernahme komme, hänge entscheidend am Bundeskartellamt, betonte Rudolph.Zumindest im Privatkunden-Sektor könne es angesichts eines gemeinsamen Marktanteils von First und Hapag-Lloyd von 12 Prozent überhaupt keine kartellrechtlichen Probleme geben.

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