Wirtschaft : Tourismusindustrie: Gewinner: Sicher nach Mallorca

Ralph Schulze

"Abwarten und Ruhe bewahren", lautet die Parole in der spanischen Urlaubsbranche. Eben erst hat die Tourismusindustrie ihre seit langem schwierigste Hochsaison hinter sich gebracht und mit letzter Kraft, ohne größere Blessuren gemeistert. Da kam durch den Terroranschlag der nächste Schlag. Nach erstem Bangen aber ist klar: die Balearen, die Kanaren und Spaniens Festlandsküste sind die direkten Gewinner der internationalen Krise.

Noch bevor sich der neue Spanien-Boom in den Zahlen abzeichnete, versuchte der balearische Ministerpräsident Francesc Antich die Gemüter zu beruhigen: "Die Balearen sind als touristisches Ziel eines der stabilsten und sichersten - im Vergleich mit anderen Wettbewerbern im Norden Afrikas und anderen Mittelmeerzonen." Die "anderen", das sind vor allem jene islamischen Reiseziele, die Mallorca in letzter Zeit zunehmend mit Dumpingangeboten Urlaubermassen abjagen konnten: Marokko, Tunesien, Ägypten und die Türkei. Rein geschäftlich gesehen kommt den Mallorquinern die komplizierte politische Großwetterlage also durchaus gelegen.

Und sicher ist Mallorca zweifellos. Dank der wohl weltweit höchsten Ballung von Vips auf einer Insel, die nur geringfügig größer als Luxemburg ist, wimmelt es hier nur so von Polizisten und Bodyguards. Spaniens König Juan Carlos bringt bei jedem seiner vielen Inseltörns gleich 400 schwer bewaffnete Gorillas mit. Politischen Playboy-Touristen wie dem früheren amerikanischen Ex-Präsidenten Bill Clinton reicht beim "Majorca-weekend" dieser Tage ein bescheidener Sicherheitstross, der in sieben Staatskarossen hinterherhetzt. Inselchef Antich ist glücklich:"Diese Werbung ist für uns nicht mit Geld zu bezahlen." Seine Botschaft an die Welt: Keine Angst vor Mallorca.

Nachdem der früher größte Urlauberstamm, die Germanen, der Putzfrauen-, Prinzen- und Prominenteninsel diesen Sommer die kalte Schulter zeigten und den Briten die Vorherrschaft abtraten, könnte es nun also langsam wieder aufwärts gehen. Etwa rund sieben Prozent weniger Deutsche kamen in den Sommerferien. Doch die Abtrünnigen, die vor dem überbordenden mallorquinischen Massentourismus flohen, werden möglicherweise reumütig an Spaniens Strände zurückkehren. Ähnliche Effekte gab es schon während des Golfkrieges Anfang der 90er Jahre - Mallorca war, urlaubsgeschäftlich gesehen, immer ein Krisengewinner.

Auch auf den Kanaren profitiert die Reiseindustrie durch die Situation in Afghanistan und im Nahen Osten. "Wenn die USA, Karibik und der Mittelmeerraum angesichts der Krise Gäste verlieren, dann gewinnen unsere Inseln an Attraktivität", macht sich Juan Carlos Becerra Mut. Der Mann ist Tourismusminister der Kanaren und seine vergangene Sommersaison litt unter ähnlichen Ausfällen des deutschsprachigen Publikums wie Mallorca: Während die Zahl deutscher Urlauber aber nur stagniert, gehen die Besucherströme aus Österreich und der Schweiz um über zehn Prozent deutlich zurück. Immerhin kommen mittlerweile mehr Briten und Russen nach Teneriffa.

Vor allem von den Kanaren, denen noch ein größeres Wachstumspotenzial als den Balearen vorausgesagt wird, hört man bereits, dass manche Urlaubskonzerne schon jetzt um die Erhöhung ihrer Bettenkontingente kämpfen, um den erwarteten Ansturm in der kommenden Sommersaison bewältigen zu können. Ob diese Rechnung aufgeht, wird man schon im Winter erfahren. Schließlich sind die Kanaren Europas einziges mild-warmes Winterziel, wo man Weihnachten in der Badehose feiern kann.

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