Wirtschaft : Tourismusverband kritisiert Billigflieger

Branche sieht ihre Gewinnmargen unter Druck

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Dubai Die deutsche Tourismuswirtschaft hat die jüngsten Preisaktionen der Billigflieger als „skandalöse Ramschangebote“ verurteilt. „Man könnte meinen, diese Firmen hätten sich zum kollektiven Suizid verabredet“, sagte der Präsident des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbandes (DRV), Klaus Laepple, am Freitag in Dubai. In den vergangenen Monaten hatten Fluggesellschaften mehrfach verbilligte Tickets über Discounter verkauft und damit den traditionellen Vertrieb über Reisebüros umgangen.

„Wenn eine Airline 300000 Tickets verschenkt, die andere einen Cent pro Flug verlangt, dann ist das eine nicht zu übertreffende Torheit“, sagte Laepple auf der Jahrestagung des Verbandes. „So zerstört man das Preisempfinden der Kunden.“ Über die Entwicklung des deutschen Reisemarktes im kommenden Jahr gibt es unter den Experten keine Einigkeit. Der Branchenverband rechnet mit einem Wachstum der Veranstalterreisen um zwei bis vier Prozent. Der Chef von Europas größtem Tourismuskonzern Tui, Michael Frenzel, sagte dagegen optimistischer vier bis fünf Prozent Wachstum voraus. Der Chef von Europas zweitgrößtem Tourismuskonzern Thomas Cook, Wolfgang Beeser, gab sich auf der Tagung dagegen vorsichtiger und erwartet lediglich ein Plus von zwei Prozent.

Negativ auf das Wachstum könnte sich vor allem der hohe Ölpreis auswirken, der die Preise vieler Flugreisen in der kommenden Sommersaison steigen lassen dürfte. Tui-Chef Frenzel wollte zu einer Preisanhebung keine Stellung beziehen, da die Berechnungen jetzt erst erstellt würden. Allerdings könne man den hohen Ölpreis nicht durch eine Reduzierung der Gewinnspanne ausgleichen. Auch Thomas-Cook-Chef Beeser erklärte, die hohen Ölpreise würden in die Kalkulation einbezogen.

Verbandspräsident Laepple forderte vor rund 1100 Vertretern der deutschen Reisebranche, Reisebüros und Veranstalter müssten die Vorteile der Pauschalreise im Vergleich zur Individualreise in den Vordergrund stellen. „Den Mehrwert der organisierten Reise herauszustellen – dies ist die zentrale Aufgabe für das nächste Jahr“, sagte Laepple. Reisebüros seien keine Betten-Vermarkter, sondern böten ihren Kunden Beratung und Unterstützung.

Tui-Chef Frenzel sagte am Rande der Tagung: „Wir müssen die Wertigkeit des Produkts wieder in den Vordergrund stellen.“ Da nach dem Jahr 2000 das Angebot stark ausgeweitet wurde, die Nachfrage aber sank, habe eine Preisspirale nach unten eingesetzt. Jetzt müsse wieder Qualität in den Vordergrund gebracht werden.

Nach Überzeugung von Öger-Tours- Vertriebschefin Wybcke Meier muss die Reisebranche stärker mit Emotionen statt mit Schnäppchenpreisen für ihre Produkte werben. Heute würden die Menschen nach ihrem Urlaub Freunden eher über den niedrigen Preis als über ihre Erlebnisse berichten. „Daran ist die Branche selbst schuld“, sagte Meier. Die Tourismuswirtschaft müsse von anderen Wirtschaftszweigen lernen. So würden Marken-Jeans oft billig hergestellt und teuer angeboten. „Wir machen das Gegenteil. Wir produzieren teuer und verkaufen billig“, sagte Meier. Dabei sei aber gerade die Urlaubsreise ein emotionales Produkt. dpa

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