Wirtschaft : Touristen zieht es in die Städte

Hotelbranche ist nach zwei Jahren Flaute zufrieden mit 2004/Mehr internationale Gäste

André Görke

Berlin - Nach zwei harten Jahren mit rückläufigen Zahlen zieht die Hotelbranche in Deutschland erstmals wieder ein positives Fazit. „Wir können mit Zuversicht in das neue Jahr starten“, sagte die stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Ingrid Hartges, dem Tagesspiegel. Das Weihnachts- und Silvestergeschäft sei quasi verbucht, „und es lief gut“. Die Branche könne „in 2004 einen hoffnungsvollen Ausgang vermelden“. Auch der neue Hauptgeschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland (IHA), Markus Luthe, geht davon aus, dass „wir die Talsohle in diesem Jahr durchschritten“ haben. „Durchweg geht es endlich wieder nach oben.“

In einer ersten Jahresbilanz der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) liegen die Gesamtzahlen in Deutschland bei 340 Millionen Übernachtungen und damit leicht über dem Wert des Vorjahres. Vor allem die Zahl internationaler Touristen sei angestiegen und wird zum Jahresende mit 45 Millionen deutlich über dem bisherigen Höchstwert des Expo-Jahres 2000 liegen. Neben dem USA-Geschäft wirken sich vor allem die Osterweiterung der EU und die hohe Zahl der Touristen aus China positiv aus. Gegenüber dem Vorjahr wird der Anstieg internationaler Gäste somit bei etwa acht Prozent liegen.

Dass es auch weniger erfolgreiche Entwicklungen in der Branche gebe, sei „kein großer Grund zu meckern“, sagt Markus Luthe vom IHA. So klage vor allem die Ferien-Hotellerie über geringere Einnahmen. Ein Grund sei der kühle Sommer gewesen, aber auch die zeitgleiche Zusammenlegung der Ferien von Bundesländern mit einer hohen Einwohnerzahl. „Insgesamt konnten wir uns jedoch stabilisieren“, sagt Luthe.

Die Auslastung der Hotels – vor allem in der Preisklasse zwischen 50 Euro und 100 Euro – konnte knapp fünf Prozent zulegen. „Als wir Anfang des Jahres gesagt hatten, dass wir einen Aufwärtstrend von insgesamt zwei Prozent verzeichnen werden, wurden wir gegeißelt“, sagt Luthe. „Genau diese Ziele dürften wir nun erreichen.“ Die konkreten Zahlen werden im Februar erwartet. Im kommenden Jahr soll die Auslastung weiter steigen. Die Welt-Tourismus-Organisation in Madrid rechnet für Gesamteuropa mit einem Anstieg der ausländischen Urlauberzahlen um drei Prozent.

Im Jahr darauf steht dann die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an, die der Branche in Deutschland einen weiteren Schub geben wird. Drei Millionen Touristen werden erwartet, eine Million davon aus dem Ausland. Für die Jahresstatistik würden die Zahlen wenig Auswirkungen haben, sagt Luthe vom Hotel-Verband. „Wir werden allerdings stark von der Nachhaltigkeit profitieren.“

Noch immer machen die Übernachtungspreise der Branche Sorgen. Ein Hotelzimmer in Berlin kostet deutlich weniger als in London oder Paris. Das sei jedoch auch eine Chance, mehr Touristen in die Städte zu locken, sagt Luthe. Schon in diesem Jahr waren die Städte die Gewinner. Neben Berlin registrierten vor allem Hamburg mit plus sieben Prozent und Bremen mit fast neun Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahr. Und die Marketingoffensive geht weiter. Im Januar wirbt Deutschland in ausländischen Magazinen mit Anzeigen wie: „Visit Berlin. Discover Germany.“

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