Wirtschaft : Toyota muss das Tempo drosseln

In zwei Jahren Mängel an 1,9 Millionen Autos

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Frankfurt am Main - Der größte japanische Autobauer Toyota hat erste Konsequenzen aus seinen wachsenden Qualitätsproblemen gezogen. Der als Vorzeigekonzern geltende Hersteller erwägt, sein Wachstumstempo zu drosseln und die Einführung einiger Modelle zu verschieben, wie Toyota-Chef Katsuaki Watanabe im japanischen Oyama sagte. Dies werde allerdings je nach Modell von Fall zu Fall entschieden. Die Einführung der neuen Fahrzeuge könnte sich laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ um bis zu sechs Monate verschieben.

Toyota hatte eine Qualitätsoffensive ausgerufen, nachdem sich der Konzern mit zahlreichen Rückrufen konfrontiert sah. Für den größten japanischen Hersteller steht viel auf dem Spiel. Toyota gilt seit Jahren in der Branche als Maßstab, was Qualität angeht.

Wegen Qualitätsproblemen hat Toyota in diesem Jahr bereits mehr als eine Million Fahrzeuge in Japan und knapp 630 000 Fahrzeuge in den USA zurückgerufen. Erst am Freitag rief Toyota in China weitere rund 20 000 Fahrzeuge in die Werkstätten. In den vergangenen beiden Jahren musste das Unternehmen Mängel an jeweils knapp 1,9 Millionen Fahrzeugen nachbessern.

Beobachter führen die damit offenbar werdenden Schwierigkeiten auch auf das vergleichsweise sehr hohe Expansionstempo bei Toyota zurück. Der zweitgrößte Autokonzern der Welt habe für seinen Versuch, immer näher an die schwächelnde Nummer eins der Branche, General Motors, heranzurücken, einen hohen Preis gezahlt, schreibt das „Wall Street Journal“.

Nach bisherigen Plänen wollte Toyota – inklusive der Töchter Hino und Daihatsu – in diesem Jahr rund 8,85 Millionen Autos verkaufen und hätte GM damit voraussichtlich als weltgrößten Autohersteller abgelöst. „Toyota plagen derzeit Wachstumsschmerzen“, sagte Helmut Becker, Leiter des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation in München. Langfristige Probleme hält Becker aufgrund des vorbildlichen Qualitätsmanagements der Japaner allerdings für unwahrscheinlich.

Dem Konzern kommt es vor diesem Hintergrund besonders ungelegen, dass die Staatsanwaltschaft in Japan Toyota vorwirft, insgesamt 82 wichtige Defektmeldungen an einem Geländewagen-Modell über einen Zeitraum von acht Jahren ignoriert zu haben, bis man dann im Oktober 2004 nach einem schweren Unfall einen Rückruf eingeleitet habe. hz (HB)

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