Wirtschaft : Traditionalisten und Modernisierer in der IG Metall streiten über Reformen

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Nicht nur die Arbeitgeber machen sich Gedanken darüber, wie sich die Tarifflucht aus ihrem Verband Gesamtmetall stoppen ließe. Auch die IG Metall zerbricht sich den Kopf, wie der Mitglieder-Exodus aufzuhalten wäre und welche Reaktionen der Wandel der Wirtschaft erfordert. Das aber geht bei der weltgrößten Einzelgewerkschaft nicht ohne Zwist ab. Im Vorstand in der Frankfurter Zentrale streiten die Traditionalisten, die weiterhin auf Umverteilung und hohe Lohnabschlüsse setzen, mit den Modernisierern, die sich den Herausforderungen durch die Neue Wirtschaft und die Globalisierung stellen wollen.

Galionsfigur der Erneuerer ist ausgerechnet Gewerkschaftschef Klaus Zwickel, der bislang eher durch defensive Ideen zur Rente mit 60 und zur 32-Stunden-Woche aufgefallen war. Er war vor kurzem in den Medien mit Vorschlägen vorgeprescht, flexiblere und differenziertere Tarifverträge zuzulassen sowie die Arbeitnehmer stärker am Geldvermögen zu beteiligen. Sein Vize Jürgen Peters sieht diese Gedanken mit Skepsis. Stellvertretend für ihre Chefs haben sich nun zwei enge Mitarbeiter von Zwickel und Peters einen Hahnenkampf in der Gewerkschaftszeitung "direkt" geliefert. Heribert Karch, die rechte Hand von Peters, kritisierte, die Teilnahme am Bündnis für Arbeit sei für die Tarifpolitik hinderlich gewesen, zudem hätten bei den Verhandlungen über die Rente mit 60 die Regionalverbände - also die Basis - zu wenig Einfluss gehabt; schließlich presche der Vorsitzende stets mit seinen Vorstellungen eigenmächtig in der Öffentlichkeit vor. Klaus Lang, Zwickels Büroleiter, entgegnete, ohne das Bündnis für Arbeit wäre man in puncto Lebensarbeitszeit-Verkürzung oder Überstundenabbau nicht weiter gekommen. Und Diskussionen über die IG-Metall-Politik habe es unter den Mitgliedern ausreichend gegeben. Der Gewerkschaftsvorstand stützte bei der jüngsten Sitzung den Vorsitzenden und segnete dessen Ideen über eine Zukunftsdebatte ab - wohl auch, weil Zwickel den Kritikern darin entgegen kommt: Statt seiner Organisation die Marschrichtung von oben aufzuzwingen, sollen die Gewerkschafter nun in drei Phasen bis 2002 über Reaktionen auf die "New Economy" diskutieren. Ein "Zukunftsmanifest" soll mit neuen Ansätzen in der Tarif- und Sozialpolitik die 2,8 Millionen Mitglieder bei der Stange halten und neue werben, besonders aus der IT-Branche.

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