Traditionen : Hochzeit auf Türkisch

Eine traditionelle türkische Hochzeit unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von einer Feier in Deutschland. 300 Gäste sind zum Beispiel keine Seltenheit.

Anieke Walter

„Für mich waren die Hochzeitsvorbereitungen nicht besonders stressig“, sagt Monic Akin und lacht. Eine ungewöhnliche Aussage für eine Braut. Denn die meisten Hochzeiten sind mit monatelangen Vorbereitungen verbunden: brüten über der Gästeliste, die Suche nach dem richtigen Ort und die Wahl des passenden Menüs. Anders bei Monic. Sie feierte mit ihrem Mann Erhan eine traditionelle türkische Hochzeit. „Bei uns wird die Hochzeit von den Eltern des Mannes ausgerichtet. Meine Schwiegermutter hat sich um das meiste gekümmert“, erzählt die 22-Jährige. „Nur die Verlobungsfeier wird von den Eltern der Braut ausgerichtet.“

Monic gab am letzten Sonntag ihrem Erhan das Ja-Wort. Nach der standesamtlichen Trauung ging es in einen Festsaal nach Kreuzberg. Dort warteten um die 300 Gäste auf das Ehepaar. Für Monic ist diese Zahl nichts Ungewöhnliches: „Türkische Hochzeiten werden immer sehr groß gefeiert, da kommen Verwandte und Freunde von überallher.“ Anders als bei deutschen Hochzeiten gilt hier nicht, nur wer vom Brautpaar explizit eingeladen wurde, darf kommen. Da lädt die Verwandtschaft schon mal die weitere Verwandtschaft ein. „Eine Absage wäre auf jeden Fall sehr unhöflich“, sagt Monic.

300 Gäste wollen allerdings auch unterhalten und bewirtet werden. Darum sind türkische Hochzeit oft sehr pompös – und das kann richtig teuer werden. Allein das Brautkleid hat 1100 Euro gekostet. Für Monic war es das wert. „Ich habe mich damit wie eine richtige Prinzessin gefühlt.“ Auch das Make-up hat dazu beigetragen: „Am Abend vorher habe ich mich von einer Visagistin schminken lassen. 90 Euro hat das gekostet. Zusammen mit den Haaren hat das acht Stunden gedauert“, sagt Monic. Die Braut schätzt, dass die Hochzeit insgesamt um die 40 000 Euro gekostet hat – bezahlt haben die Schwiegereltern. Wie wird das finanziert? „Auf türkischen Hochzeiten wird viel Goldschmuck verschenkt. Wenn dann ein Kind heiratet, werden der Schmuck und die Goldmünzen zu Geld gemacht, um die Hochzeit zu bezahlen“, berichtet die Braut. Aber auch Bares wurde auf Monics und Erhans Hochzeit von den Gästen verschenkt. Allerdings wird das nicht förmlich in einem Briefumschlag übergeben wie auf deutschen Hochzeiten, sondern es wird den Eheleuten angesteckt. „Die Gäste werden nacheinander aufgerufen, um Geld und Goldmünzen anzustecken“, erklärt die Frischverheiratete. Jeder kann dabei sehen, wer wie viel gibt.

Nach der Bescherung feierte die Gesellschaft bis tief in die Nacht weiter. Monic und Erhan Akin freuen sich nach dem Trubel auf die Flitterwochen in Alanya an der türkischen Rivera.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben