Wirtschaft : Träume aus tausend und einer Nacht

UDO RETTBERG (HB)

Die Börse in Oman konnte 1997 mit Gewinnen von rund 150 Prozent aufwarten / Noch sehr wenige westliche Investoren interessiertVON UDO RETTBERG (HB)

MUSCAT.Westliche Investoren finden zu den Börsen der Länder des Nahen Ostens in der Regel nur sehr schwer Zugang.Ursachen sind sowohl administrative Hemmnisse als auch Unterschiede in der Mentalität.Für ausländische Anleger sind die meisten Wertpapierbörsen in dieser Region nur einen Spaltbreit geöffnet.Im ölreichen arabischen Sultanat Oman soll dies anders werden.Die Regierung bemüht sich, zum einen die Abhängigkeit des Landes von den internationalen Ölmärkten zu verringern und zum anderen den dominierenden Staatseinfluß in der Volkswirtschaft zurückzufahren.Zudem sollen die Hindernisse, die ausländische Investoren aus nicht-arabischen Staaten vorfinden, peu à peu abgebaut werden. Am 1989 gegründeten Muscat Securities Market (MSM), der sich während der zurückliegenden zwölf Monate mit einer Wertsteigerung von durchschnittlich rund 150 Prozent in die Spitzenränge der Weltbörsen katapultierte, werden zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Aktien von 117 Unternehmen gelistet.Handelsschwerpunkte liegen in der Regel bei den Aktien der Banken und Investmentsgesellschaften, die es während der vergangenen Wochen auf einen Umsatzanteil von regelmäßig mehr als 75 Prozent brachten.Dies konnte nicht verwundern, da immer wieder Gerüchte über mögliche Fusionen omanischer Banken zu vernehmen waren. Anleger aus den Golfstaaten haben die Möglichkeit, ihr Geld in 92 der insgesamt 117 börsennotierten Unternehmen zu investieren.Für die anderen ausländischen Investoren existieren Anlagemöglichkeiten in 49 omanischen Aktiengesellschaften.Ausländer können bei Unternehmen, die nach 1994 gegründet worden sind, allerdings nur bis zu 49 Prozent des Aktienkapitals einer omanischen Gesellschaft halten.Bei älteren Unternehmen liegen die Ausländerquoten meist noch unter diesem Limit.Ausländische Investments in omanischen Ölgesellschaften sind nicht erlaubt.Mit einem für die nächsten Wochen geplanten neuen Kontrollsystem sowie der für März dieses Jahres vorgesehenen Computerisierung und Elektronisierung soll die Börse Muscat als einer der führenden Handelsplätze für die arabische Welt modernisiert werden. Die politisch Verantwortlichen in Muscat haben erkannt, daß die bislang vom Wohl und Wehe des Ölmarktes dominierte Volkswirtschaft des Landes eine stärkere Diversifizierung erfahren und auf eine breitere ökonomische Basis gestellt werden muß.Es wird über eine Verringerung des Staatseinflusses und das Forcieren privater wirtschaftlicher Initiativen nachgedacht. Mehr Unternehmen sollen ihre Aktien an der Börse Muscat listen lassen, und auch mehr private Anleger sollen den Weg an den Aktienmarkt des Landes finden. Das Volumen der Neu-Emissionen überstieg 1997 umgerechnet 600 Mill.US-Dollar.Börsenneulinge stießen dabei auf eine bemerkenswert positive Resonanz.So wurde die jüngste Emission der Oman Clorine Co.44fach überzeichnet.Für die kommenden drei Monate ist mit weiteren Emissionen im Wert von rund 200 Mill.Dollar zu rechnen.Auch die Privatisierung der staatlichen Telekommunikationsgesellschaft steht auf der Agenda.Als nächster Börsenkandidat gilt die neu gegründete Industrial Bank of Oman, die rund 40 Prozent ihres Aktienkapitals am Markt unterbringen will. Auch wenn die Zahl der heimischen Aktionäre von 18 000 im Jahr 1989 auf zuletzt 180 000 gestiegen ist, so wird dies von Brokerhäusern in Muscat noch immer als unzureichend betrachtet.Darüber hinaus soll der MSM, der als am besten regulierter Wertpapiermarkt des Nahen Ostens gilt, künftig auch für ausländische Investoren wesentlich attraktiver gestaltet werden, wie MSM-Chef Mahmoud al-Jarwani betont.Um mehr internationales Kapital anzulocken, will die Regierung die an der Börse notierten Unternehmen auffordern, ihre Statuten dergestalt zu ändern, daß eine stärkere Beteiligung ausländischer Investoren möglich ist.Zahlreiche Unternehmen haben bereits die Voraussetzungen für eine stärkere Beteiligung internationaler Investoren geschaffen.Einige populäre omanische Geschäftsleute haben sich in jüngster Vergangenheit allerdings gegen eine stärkere Liberalisierung ausgesprochen.Schätzungen zufolge liegt die Ausländerquote an der MSM-Marktkapitalisierung bei rund 11 Prozent.Allein 7 Prozent entfallen auf Investoren aus den Nachbarstaaten , die Beteiligung westlicher Investoren ist verschwindend gering.

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