Wirtschaft : Transatlantische Dissonanzen

Maurice Shahd

Die US-Wettbewerbsbehörden haben die Fusion der deutschen Kugellagerhersteller Ina und FAG Kugelfischer auf Eis gelegt. Die amerikanischen Kartellwächter wollen die Übernahme intensiv prüfen. Bei der europäischen Wettbewerbsbehörde war der Fall innerhalb weniger Tage durchgewunken worden. Ist die Prüfung der US-Behörden Taktik? Dass die Amerikaner den Zusammenschluss tatsächlich verhindern werden, gilt als unwahrscheinlich. Zu klar ist, dass sich die Geschäftsfelder der Unternehmen nur wenig überschneiden.

Fest steht allerdings: Die Wettbewerbsbehörden in den USA und Europa sind sich nicht mehr einig. Die Ablehnung der Fusion von General Electric und Honeywell durch die Europäer vor wenigen Wochen sorgte für heftige Verärgerung in den USA. EU-Wettbewerbshüter Mario Monti zeigte sich sehr verwundert über die plötzliche Kehrtwende der US-Behörde im Microsoft-Verfahren. Die nächste Zerreißprobe steht mit der Fusion von Hewlett Packard und Compaq schon vor der Tür. Das US-Justizministerium forderte die Europäer bereits auf, die wettbewerbspolitischen Grundsätze zu ändern. Vor diesem Hintergrund ist es nicht weiter erstaunlich, dass sich die US-Kartellwächter schon einmal eine starke Verhandlungsposition aufbauen. Mehr Harmonie erreichen die transatlantischen Partner jedoch nicht mit der Brechstange. Sie müssen wieder zu einem gemeinsamen wettbewerbspolitischen Leitbild finden. Tun sie das nicht, gibt es nicht nur keine einheitliche Wettbewerbspolitik mehr. Sondern eine Menge Stoff für neue Handelskonflikte.

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