Wirtschaft : Transfer für Praktiker und Max Bahr

Arbeitnehmer, Agentur für Arbeit und Insolvenzverwalter sind sich einig: Transfergesellschaft ist besser als Arbeitslosigkeit.

Manuel Vering

Berlin - Mit dem Geld der Bundesagentur für Arbeit soll den ehemaligen Beschäftigten von Praktiker und Max Bahr geholfen werden. Und zwar nicht durch die Zahlung von Arbeitslosengeld, sondern mit Transfergesellschaften, in denen den Betroffenen ein Großteil des bisherigen Gehalts gezahlt wird und wo sie in neue Jobs „transferiert“ werden sollen. Bis zu 11 000 Personen könnten in den Gesellschaften untergebracht werden. Die für die Steuerung der sechs Transfergesellschaften zuständige Project Consult GmbH (PCG) strebt einen Durchschnittswert zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt von 70 Prozent an. Dazu gibt es individuelle Berufsberatungen und Bewerbungstraining bis hin zur Teilnahme von Betreuern an Bewerbungsgesprächen. Wie viele Personen genau in einer Transfergesellschaft landen, ist noch offen. Von den insgesamt von der Insolvenz betroffenen Beschäftigten sind etwa 4000 Minijobber, die von den Transferleistungen ausgeschlossen sind. Weitere 3600 Personen arbeiten in 73 Max-Bahr-Märkten, die aber womöglich von einem Konsortium um die Baumarktkette Hellweg übernommen werden und deshalb keine Transfergesellschaft brauchen.

Bis auf die 4000 Minijobber wird allen Mitarbeitern der insolventen Unternehmen angeboten, für bis zu sechs Monate zu 75 Prozent ihres regulären Netto-Gehalts „aufgefangen“ zu werden. Diese Zahlungen setzen sich zu etwa 60 Prozent aus öffentlichen Mitteln der Agentur für Arbeit und einer Aufstockung zusammen, die durch Insolvenzverwalter und Gläubigerversammlung ausgehandelt wurde. Damit der Insolvenzverwalter mitmacht, muss es verwertbare Masse in dem Unternehmen geben. Die Praktiker-Transfergesellschaften unterstützt der Insolvenzverwalter mit 30 Millionen Euro.

Verwertbare Masse ist im Einzelhandel eher selten, weshalb es zum Beispiel auch bei Schlecker nicht zu Transfergesellschaften kam. Die Schlecker-Beschäftigten wurden vor anderthalb Jahren schlicht gekündigt. Als Konsequenz mussten sich die Arbeitsgerichte mit 4500 Kündigungsschutzklagen auseinandersetzen.

Die Transfergesellschaften für Praktiker und Max Bahr sind an über 100 Standorten vertreten und betreuen dort die Arbeitsuchenden in eigens angemieteten Räumlichkeiten. Nach Angaben der PCG ist es vor allem der gewerkschaftlich gut organisierten Struktur der Praktiker- Gruppe zu verdanken, dass Transfergesellschaften zustande kamen. Außerdem gelang es dem Insolvenzverwalter, den Gläubigerkreis davon zu überzeugen, dass die Übernahme der Belegschaft durch eine Transfergesellschaft kostengünstiger ist als das Auszahlen aller Gehälter im Rahmen der Kündigungsfrist. Auch das Risiko von Kündigungsschutzklagen wurde so vermieden. Nach Einschätzung der gewerkschaftsnahen PCG ist der Umgang mit der Praktiker-Belegschaft beispielhaft.

Der beste Weg für den Arbeitnehmer bleibt jedoch eine Investorenlösung, wie zum Beispiel beim Berliner Praktiker- Markt. Dieser wurde mitsamt der kompletten Belegschaft vom Bauhaus-Konzern übernommen. Die Angestellten des Berliner Max-Bahr-Marktes müssen dagegen – wie ihre ihre Kollegen in den übrigen 72 Bahr-Märkten – noch bis zu acht Tage um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze fürchten. Am Montag kam zunächst keine Einigung zwischen Hellweg und dem Vermieter von 66 Max-Bahr-Märkten, der Royal Bank of Scotland (RBS), zustande. Die RBS will einen solventen Betreiber, da nur so der Wiederverkauf gesichert ist. Manuel Vering

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