Transferbonus-Nachfrage steigt : Unis forschen für den Mittelstand

Das Förderprogramm „Transferbonus“ bringt Wirtschaft und Wissenschaft zusammen – mit Erfolg. Mittelständische Betriebe, die wissenschaftliche Institute mit der Lösung ihrer Probleme beauftragen wollen, lassen sich von der Berliner Technologiestiftung häufiger geeignete Partner vermitteln.

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Retter alter Fenster. Zum Team der Firma Viktoria Bausanierung gehören der Glaser Michael Briege, der Tischler Mathias Schneider und der Maler René Rettig (von links). Foto: Mike Wolff
Retter alter Fenster. Zum Team der Firma Viktoria Bausanierung gehören der Glaser Michael Briege, der Tischler Mathias Schneider...Foto: Mike Wolff

Martin Paal ist eigentlich Architekt, betreibt aber als zweites Standbein seit neun Jahren die Viktoria Bausanierung GmbH in Kreuzberg und hat sich mit 15 Mitarbeitern auf die Fenstersanierung in Altbauten spezialisiert. Viele seiner Kunden seien „Liebhaber von Kastenfenstern“, die zwar die Energiesparverordnung erfüllen wollen, aber keine modernen Isolierglasfenster einbauen möchten, erklärt Paal. Auch Holzfenster können die Normen erfüllen, wenn Fachleute die Wärmedämmung verbessern. Doch Paal fehlte der Nachweis: „Wir haben ein Jahr lang Hände ringend jemanden gesucht, der Berechnungen zu Kastenfenstern machen kann“, sagt er. Fündig wurde er schließlich bei der Technischen Universität (TU) – und es kostete ihn nicht einmal Geld.

Wie Paal haben schon mehr als 100 Unternehmen den sogenannten Transferbonus beantragt, den die Wirtschaftsverwaltung vor einem Jahr ins Leben gerufen hatte. Kleine bis mittelgroße Betriebe, die Hochschulen und andere wissenschaftliche Institute mit der Lösung bestimmter Probleme beauftragen wollen oder deren Hilfe bei der Produktentwicklung suchen, können sich von der Technologiestiftung Berlin (TSB) geeignete Partner vermitteln lassen. Bei kleineren Projekten übernimmt das Land Berlin einmalig die gesamten Kosten, und bei etwas größeren Vorhaben deckt der Zuschuss bis zu 70 Prozent. „Die Resonanz ist sehr gut, viele Projekte sind bereits abgeschlossen“, sagt TSB-Sprecherin Frauke Nippel.

Firmenchef Paal hatte sich direkt an die TU gewandt und erst dann von dem Förderprogramm erfahren. Jetzt ist er voll des Lobes: „Ich war sehr angenehm überrascht und höchst beeindruckt von der Leistung der Uni.“ Dort nahmen sich Professor Frank Vogdt und Studenten seines Fachbereichs Bauphysik und Baukonstruktion der gewünschten Berechnungen an. „Die Originalfenster wurden dafür simuliert“, sagt Paal. Die Wissenschaftler mussten seine Baustellen nicht aufsuchen, sondern ermittelten die Wärmedämmung sanierter Fenster anhand genauer Zeichnungen und Materialangaben. Nach knapp vier Wochen liegen die Daten nun vor, und Paal kann endlich belegen, dass die energetische Sanierung zu „tollen Werten“ führt und die Dämmung den Isolierfenstern oft nicht nachsteht. Jetzt will er die Forschungsergebnisse veröffentlichen, hat Fachzeitschriften angeschrieben und plant bereits eine neue Kooperation mit der TU.

Die „unkomplizierte und schnelle Bearbeitung“ der Auftragsforschung lobt auch Lothar Kühne, Prokurist der Waretex Systemtechnik GmbH in Prenzlauer Berg. Sein seit 17 Jahren bestehendes Unternehmen mit vielen ehemaligen Mitarbeitern der DDR-Firma Rewatex betreibt nicht nur Waschsalons, sondern widmet sich seit 1997 auch der Forschung und Entwicklung für industrielle Großwäschereien. „Wir sind eine Innovationsschmiede und machen nichts, was es schon gibt“, sagt Kühne. Zusammen mit Hochschulen und weiteren Firmen aus der Reinigungsbranche gründete man auch ein „Laundry Innovation Network“. Im Förderprogramm Transferbonus ließ Waretex sich zum einen die Wäschereilogistik durch zusätzliche Automation verbessern. In einer weiteren Kooperation mit Forschern ging es um Messmethoden für die Feuchtigkeit von Textilien und die Wärmerückgewinnung aus Mangeln und Trocknern: Wärme, die sonst in die Luft verdampfen würde, kann nun über neuartige Wärmetauscher wieder zum Waschen benutzt werden. Zu den Projektpartnern gehörten die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin, die Fachhochschule Eberswalde und die TU Cottbus. „Ich kann nur empfehlen, den Transferbonus zu nutzen“, sagt Kühne.

Die traditionsreiche Zehlendorfer Bogen Electronic GmbH nutzt die Förderung, um die Qualitätssicherung bei der Herstellung von Magnetkomponenten zu verbessern. In einem noch andauernden Projekt überprüft das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Konstruktion die exakte Anordnung der Bauteile im Mikrometerbereich. Nico Pohlmann, Geschäftsführer des rund 50 Jahre alten Unternehmens mit 36 Mitarbeitern, zeigt sich ebenfalls sehr zufrieden. Sein Projekt lag knapp unter der vorgegebenen Kostengrenze von bis zu 10 000 Euro und wurde zu 70 Prozent bezuschusst.

Die Handwerkskammer lobt die Ausrichtung der Transferprojekte auf „Klein- und Kleinstbetriebe“ und das „niederschwellige Angebot“. Es trage dazu bei, Hemmschwellen abzubauen, sagt der Abteilungsleiter für Wirtschaftspolitik, Arne Lingott. Noch scheuten leider viele Handwerksbetriebe vor der Zusammenarbeit mit Forschern zurück. Im Industriebereich ist es nicht anders: „Selbst innovative Unternehmen arbeiten nur punktuell mit der Wissenschaft zusammen“, sagt Heike Schöning, Expertin für Innovations- und Technologieförderung bei der IHK Berlin. „Alle Studien zeigen eine super Infrastruktur der Forschung in Berlin“, sagt sie. „Wir müssen die Potenziale nur noch besser nutzen.“

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