Wirtschaft : Transnet: Bund soll Bahn nicht verkaufen

Gewerkschaft kündigt Widerstand an

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Berlin - Die Gewerkschaft Transnet hat den Börsengang der Bahn in Frage gestellt. Eine Zerschlagung des Konzerns und ein Verlust von Arbeitsplätzen müsse verhindert werden, sagte Norbert Hansen, Vorsitzender der Gewerkschaft, am Freitag in Berlin. „Niemand schreibt einen Börsengang der Deutschen Bahn vor.“ Wenn es nicht möglich sei, einen Konsens über den Börsengang des integrierten Unternehmens herbeizuführen, „muss auch über einen Plan B – Plan Bund diskutiert werden“. Die Beteiligung eines Minderheitsgesellschafters ohne Umweg über die Börse sei aber möglich.

Der Bund will bis zum Sommer Klarheit darüber schaffen, in welcher Form die Bahn privatisiert wird. Derzeit befindet sie sich im Staatsbesitz. Ein Gutachten für den Bundestag hatte kürzlich ergeben, dass sowohl der Börsengang als integrierter Konzern als auch die Trennung von Netz und Betrieb praktisch umsetzbar wären. Die Trennung würde mehr Verkehr auf der Schiene bringen, die Privatisierung aber um mindestens vier Jahre verzögern. Die Bahn wollte sich zum Transnet-Vorstoß nicht äußern. Ein Sprecher sagte nur, der Konzern und die Gewerkschaft strebten beide den integrierten Börsengang an. Für eine Absage der Privatisierung hat sich im Bundestag bisher nur die Linkspartei ausgesprochen.

Die Gewerkschaft kritisierte, in dem Bundestags-Gutachten würden Arbeitsplatzeffekte „überhaupt nicht berücksichtigt“. Die derzeit bestehende Verbindung von Netz und Betrieb sei „das optimale Modell“. Bei einem Verzicht darauf gäbe es keine abgestimmten Fahrpläne mehr. Eine Trennung würde „großen Schaden für die Entwicklung des Schienenverkehrs und der Arbeitsplätze“ bedeuten, warnte Hansen. Sparten, die für externe Dienstleister interessant seien – Instandhaltung der Züge, Sauberkeit, Sicherheit, Service – würden dann ausgegliedert. „Anbieter wie Dussmann oder Gegenbauer könnten ihre Auftragsschwankungen so ausgleichen, dadurch wären 50 000 Stellen bei der Bahn bedroht.“ Auch Berlin mit seinen 18 300 Beschäftigten würde dann Schaden nehmen, zudem würde ein aufgeteilter Konzern womöglich weniger ausbilden. Insgesamt arbeiten bei der Bahn heute 220 000 Menschen.

Transnet werde Hansen zufolge „alle Hebel in Bewegung setzen“, um einen Verkauf allein der Personen- und der Gütersparte zu verhindern. Das schließe auch Streiks ein. brö

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