Wirtschaft : Transparente Hilflosigkeit

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Es gibt kaum etwas, was den G8-Regierungschefs mehr Sorgen bereitet als der hohe Ölpreis. Alle rätseln, wie lange die Weltkonjunktur das noch mitmacht. 40 bis 50 Dollar wie 2004 hat die Wirtschaft gut weggesteckt – das Wachstum war so groß wie lange nicht mehr. Aber hört der Spaß bei 60 Dollar nicht auf? Ökonomen können nur schätzen, den Effekt aber nicht wirklich vorhersagen. In den vergangenen Wochen hieß es deshalb immer wieder, dass die G8-Vertreter den Ölpreis diskutieren wollen. Das Problem: Die Spitzenpolitiker können zwar viel über das teure Öl reden – dagegen tun können sie so gut wie nichts. Die Märkte haben sich auch von den Äußerungen Kanzler Schröders, man müsse Maßnahmen gegen den Anstieg ergreifen, in den vergangenen Monaten nicht beeindrucken lassen. Denn um welche Maßnahmen geht es? Vor allem um ein Projekt, das schon länger verfolgt wird. Ziel: Mehr Transparenz und eine bessere Datengrundlage für die Ölmärkte zu schaffen. Dafür wurde „Jodi“ (Joint oil data initiative – Gemeinsame Öldateninitiative) aufgelegt. In diesem Sommer dürfte sie starten und etwa mit zwei Monaten Verzögerung Bestands- und Produktionsdaten für alle wichtigen Verbraucher- und Förderländer frei im Internet zugänglich machen. Die Hoffnung: Je besser die Informationslage, desto weniger können Investoren auf künftige Engpässe spekulieren – außer sie sind absehbar. Aber dann kann dank der schnelleren Datenaufbereitung auch schneller gegengesteuert werden. Dass aktuellere Zahlen aber nicht viel helfen, zeigt die Entwicklung in den USA. Für den größten Ölverbraucher der Welt gibt es bereits Daten, die mit etwa einer Woche Verzögerung zu den Vorräten an Öl, an Benzin, an Diesel, an Heizöl und zur Raffinerieauslastung veröffentlicht werden. Die Zahlen sind für dieses Jahr besser als für das vergangene – und trotzdem werden die Notierungen immer weiter nach oben getrieben. hop

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