Wirtschaft : Transparenz statt Rückzug

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Von Dieter Fockenbrock

Die Funktionäre der Gewerkschaften sollen aus den Aufsichtsräten deutscher Aktiengesellschaften verschwinden. Mit dieser Forderung packt die Anlegervereinigung DSW ein heißes Eisen an. Dürfen Gewerkschafter Streiks zum Schaden eben der Unternehmen organisieren, deren Wohl und Wehe sie zugleich als Aufsichtsrat zu verteidigen haben? Die Aktionärsschützer sehen darin einen unlösbaren Konflikt und verweisen auf die Grundsätze zur guten Unternehmensführung, die CorporateGovernance-Richtlinien. Darin steht: Potenzielle Interessenkonflikte sollten bei der Besetzung der Kontrollposten vermieden werden.

Warum das Problem aber nur bei Vertretern von IG Metall oder Verdi auftreten soll, bleibt ein Geheimnis der Anlegervereinigung. Warum fordert sie nicht den Rückzug aller Banker aus den Aufsichtsräten, denn die plagen sich nun wirklich mit Interessenkonflikten herum, weil sie Geld geben und zugleich über dessen Verwendung im Unternehmen mitbestimmen? Und warum müssen nicht auch alle Manager ihre Mandate abgeben, die früher einmal bei der Konkurrenz gearbeitet haben und deshalb Firmengeheimnisse ausplaudern könnten? Und warum fordert die DSW nicht gleich den Rückzug ihrer eigenen Aufsichtsräte aus den Gremien? Unabhängige Aktionärsschützer haben schließlich ihren Ruf zu verlieren.

Der Vorstoß ist nicht durchdacht. Werden alle fachkundigen Manager, Gewerkschafter und Banker aussortiert, hat der Vorstand leichtes Spiel, seine Kontrolleure über den Tisch zu ziehen. Die Lösung des vermeintlich unlösbaren Konfliktes ist ganz einfach: Alle Aufsichtsräte müssen ihre Mandate, Verbindungen und Interessen offen legen.

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