Transport : Verkehrsverbände wollen Zahl der Bahn-Kunden verdoppeln

Mehr Züge und mehr Geld vom Staat sehen die Verkehrsverbände der Länder als Voraussetzung, um die Schiene attraktiver zu machen. Doch auch die Kunden müssen künftig tiefer in die Tasche greifen, meint die OECD.

Carsten Brönstrup
278442_0_a25f0459.jpg
Noch Platz. Nur 44 von 100 ICE-Sitzen sind heute im Schnitt besetzt. Foto: ddp

BerlinDie Zahl der Bahn-Kunden soll sich binnen zehn Jahren verdoppeln. „Die Schiene ist weit davon entfernt, ihr Marktpotenzial auszuschöpfen und ein gleichwertiger Konkurrent für das Auto zu werden“, sagte Bernhard Wewers am Dienstag in Berlin. Er ist Präsident des Verbandes BAG-SPNV, in dem die Verkehrsverbände der Länder und Regionen organisiert sind. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse es eine „neue Bahn“ mit mehr und pünktlicheren Zügen geben sowie mehr Geld vom Staat.

Zwar nutzten bereits 2,3 Milliarden Fahrgäste jährlich die Eisenbahn, also 55 Prozent mehr als vor der Bahnreform 1994. Die Bahn könne aber noch attraktiver werden. Der Verband verlangt ein dichtes, überregionales Netz von Fernzugverbindungen, das Großstädte mindestens im Stundentakt miteinander verknüpft. Dadurch werde die Umsteigezeit verkürzt, die heute oft noch zu lang sei. Auch mehr Qualität, Pünktlichkeit und verständlichere Tarifsysteme müssten her. Wewers: „Nach dem Wechsel in der Führung der Deutschen Bahn und vor der Bundestagswahl ist es jetzt an der Zeit, die Weichen in Deutschland neu zu stellen.“

Wewers machte sich zudem dafür stark, mehr Geld in den Neu- und Ausbau des 34 000 Kilometer langen Schienennetzes zu stecken. Die Mittel des Bundes dürften zudem nicht nur in ICE-Schnellstrecken fließen, sondern müssten auch für Regionalgleise ausgegeben werden.

Für Kunden und Unternehmen dürften Reisen allerdings in Zukunft teurer werden. Diese Ansicht vertrat Jack Short, Generalsekretär des OECD-Weltverkehrsforums. „Mobilität wird in Zukunft mehr kosten“, sagte er im Gespräch mit dem Tagesspiegel. In der OECD sind die wichtigsten Wirtschaftsnationen der Welt zusammengeschlossen. Short tagt seit Dienstag mit namhaften Politikern und Managern in Leipzig auf dem Weltverkehrsforum.

Der zu erwartende Preisanstieg gehe zum einen darauf zurück, dass der Verkehr in Zukunft sicherer und umweltfreundlicher werden müsse. „Zum anderen sind die Staatskassen leer, sobald die Konjunkturprogramme ausgelaufen sind. Auch privates Geld fließt nicht mehr. Wir stehen deshalb vor einer großen Finanzierungslücke“, befand Short. Die Tickets für Nah- und Fernverkehrszüge dürften daher teurer werden, für Autofahrer werde es zudem mehr Mautsysteme geben müssen, auch in Deutschland. „Wer die Infrastruktur auf dem jetzigen Standard halten, sie womöglich ausbauen will, kommt daran auf keinen Fall vorbei“, erklärte Short.

Mit den Konjunkturprogrammen der Bundesregierung ist er unzufrieden. Es gebe ein „Übergewicht“ für den Sektor Straße, in die das meiste Geld fließe. „Angesichts der Sonntagsreden zum Klimaschutz hätte ich mir von der Koalition aber ein stärkeres Bekenntnis zur Schiene erhofft.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben