Wirtschaft : Transrapid beschäftigt nun den Rechnungshof

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Der beiden in Deutschland geplanten Transrapid-Projekte geraten immer mehr in die Kritik. Nun will der Bundesrechnungshof sich mit den Strecken in Nordrhein-Westfalen und Bayern beschäftigen. "Wir werden uns dieses Themas annehmen", kündigte ein Sprecher des Rechungshofes im Gespräch mit dem Tagesspiegel am Montag an. Zweifel an den Strecken meldete die Eisenbahner-Gewerkschaft Transnet an. "Verkehrspolitisch und volkswirtschaftlich machen weder die Münchner noch die Ruhrgebiets-Strecke Sinn", sagte der Gewerkschafts-Chef Norbert Hansen dem Tagesspiegel. "Der Transrapid gefährdet die Jobs der Eisenbahner. Daher sollte die Regierung die Projekte schnellstens beerdigen", erklärte Hansen. Die Transrapid-Industrie warnte vor dem Verlust von Arbeitsplätzen, sollte es keine Aufträge für den Magnetzug geben. Grafik: Bundeshilfen für Transrapid "Ein Projekt von dieser Größenordnung ist auf jeden Fall für uns von Interesse", sagte der Sprecher des Rechnungshofes. Der Bund will den Bau der Strecken in München und im Ruhrgebiet mit 2,3 Milliarden Euro fördern. Ob und wann der Rechnungshof sich in Form einer Prüfung mit dem Thema befassen will, ließ der Sprecher offen.

Gewerkschaftschef Hansen regte an, die Bundeszuschüsse sollten für die Verbesserung der Schieneninfrastruktur verwendet werden. Die geplanten Transrapid-Strecken gefährdeten die Wirtschaftlichkeit bestehender Eisenbahn-Linien. Dies berge Risiken für die Deutsche Bahn AG und gefährde dort Arbeitsplätze. Als Betreiber der Magnetstrecke solle sich die Bahn nur engagieren, wenn sie keine unkalkulierbaren Risiken übernehmen müsse. "Bei der Bahn darf nichts hängenbleiben", verlangte Hansen.

1,6 Milliarden pro Minute Zeitgewinn

Auch werde es kaum zusätzliche Jobs durch Exportaufträge geben, nachdem eine Referenzstrecke in Deutschland in Betrieb gegangen sei. "Das Interesse aus dem Ausland ist nur vage", sagte Hansen. "Arbeitsplätze in der Produktion würden ohnehin nur für kurze Zeit entstehen. Wir brauchen aber nachhaltig sichere Jobs", sagte der Gewerkschaftschef. Diese seien auch beim Betrieb der Strecken hier zu Lande nicht zu erwarten, da der Zug automatisch fahre.

In einer am Montag vorgelegten Studie erklärte die Gewerkschaft, sie lehne die Transrapid-Technik zwar nicht rundheraus ab. Aber der Zeitgewinn etwa auf der Ruhrgebiets-Strecke "kostet den Steuerzahler und die Fahrgäste fast 1,6 Milliarden Euro pro Minute", heißt es in dem Papier. Zudem drohten durch den Magnet-Schnellzug der Wegfall von Nah- und Fernverkehrszügen und höhere Fahrpreise für die Passagiere sowie ein größerer Energieverbrauch als bei der Eisenbahn. In Bayern sei ein Ausbau der S-Bahn sinnvoller, weil er nicht nur 17 000 Flughafen-Fahrgästen, sondern 720 000 S-Bahn-Nutzern Vorteile bringe.

Auch Bündnis 90 / Die Grünen in Nordrhein-Westfalen rückten am Montag wieder von ihrer Zustimmung zum Transrapid ab. "Ob der Metrorapid Realität wird, wird in den nächsten Monaten entschieden", sagte die nordrhein-westfälischeUmweltministerin Bärbel Höhn in Berlin. Am Wochenende hatten die Grünen in Düsseldorf noch Zustimmung zu der Strecke an Rhein und Ruhr signalisiert. Höhn zufolge ist die Finanzierung noch zu klären sowie die Frage, ob der Zug eine echte Verbesserung darstelle.

Unterdessen teilte die Transrapid-Industrie mit, dass sie auf weitere Aufträge angewiesen sei. "Die Bestellungen aus Deutschland sind eminent wichtig", sagte ein Sprecher des Hersteller-Konsortiums Transrapid International in Berlin dem Tagesspiegel. Bislang produzieren rund 300 Mitarbeiter von Thyssen-Krupp in Kassel die Teile für die Strecke in Schanghai. Sie verbindet die Innenstadt mit dem Flughafen und soll Ende 2003 in Betrieb gehen. "Ohne Anschlussauftrag wären diese Arbeitsplätze in Gefahr", warnte der Sprecher. Eine Entscheidung für den Transrapid in Deutschland habe zudem positive Wirkungen auf die Nachfrage aus dem Ausland. Seinen Angaben zufolge werden derzeit Verbindungen in den USA, in den Niederlanden und in China geprüft.

Bei der Siemens-Sparte Verkehrstechnik, dem zweiten Partner des Konsortiums, sind indes keine Arbeitsplätze in Gefahr, selbst wenn der Magnetzug in Deutschland nicht fahren sollte. Derzeit seien 300 Mitarbeiter, vorwiegend Software-Ingenieure, in das Projekt eingebunden. Sie könnten aber schnell auf andere Stellen umgesetzt werden, sagte ein Firmensprecher in Erlangen.

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