Wirtschaft : Transrapid: China will zweite Strecke

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China hat eine Vorentscheidung für den Bau der deutschen Magnetschnellbahn Transrapid zwischen Peking und Schanghai getroffen. Sollte sich die 33 Kilometer lange Flughafenverbindung in Schanghai bewähren, werde China den Transrapid auch zwischen den beiden Metropolen bauen, sagte Ministerpräsident Zhu Rongji am Donnerstag in Peking bei einem Treffen mit Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD). "Wenn die Demonstration in Schanghai ein Erfolg wird, bauen wir früher als geplant die 1250 Kilometer lange Strecke", kündigte Chinas Premier an.

Thyssen-Krupp-Vorstandschef Ekkehard Schultz sagte dem Handelsblatt, die Entwicklung sei ein "Durchbruch für die internationale Vermarktung des Transrapid". Er schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass der Transrapid den Zuschlag für die Strecke erhält, auf "über 50 Prozent". Die Strecke gilt als Kronjuwel unter Chinas Infrastrukturprojekten. Das Auftragsvolumen veranschlagt Kurt Bodewig in Übereinstimmung mit lokalen Schätzungen auf 50 Milliarden Mark. Chinesischen Schätzungen zufolge sollen im Jahr 2020 jährlich 150 Millionen Passagiere zwischen den beiden Metropolen mit dem Zug reisen.

Wie gut die Chancen für den Bau der Langstrecke stehen, machten Diplomaten am Beispiel der überdimensionierten Fabrik deutlich, die in Schanghai auf einer Länge von 1,8 Kilometern für die Herstellung des Transrapid-Fahrweges errichtet wird: "Es wäre irrsinnig, wenn man sie nur für 30 Kilometer Fahrweg einsetzen würde." Die Entscheidung über die Langstrecke soll 2003 fallen, wenn die Magnetbahnstrecke in Schanghai den Fahrbetrieb aufnimmt. Im Gespräch sind überdies mehrere Strecken, darunter eine Verbindung zwischen Peking und der Hafenstadt Tianjin, eine Verlängerung der Teststrecke in Shanghai nach Hangzhou oder nach Nanjing.

Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schultz und Technik-Vorstand Eckhard Rohrkamp sprachen in Peking auch mit Bürgermeister Liu Qi über eine Transrapid-Strecke zum Flughafen der Hauptstadt. Für die geplante Trasse in Peking seien bereits Häuser abgerissen worden, hieß es.

Finanzminister Hans Eichel (SPD) besuchte am Donnerstag mit seinem chinesischen Amtskollegen Xiang Huaicheng die Transrapid-Teststrecke im emsländischen Lathen. "Eine Strecke von 40 Kilometern kann die Möglichkeiten der Technik noch nicht voll zur Geltung bringen, 4000 wären besser", sagte Xiang danach. Sollte das Großprojekt Peking-Schanghai realisiert werden, will die Bundesrepublik entsprechende Bürgschaften übernehmen, sagte Eichel, auch wenn dies ein Engagement in Milliardenhöhe erfordert. Die Bundesregierung hat bereits für den Bau der Flughafenanbindung in Schanghai eine Bürgschaft in Höhe von 1,044 Milliarden Mark übernommen.

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