Wirtschaft : Transrapid: Das Projekt ist wieder offen

mg

Die Verhandlungen für die weltweit erste kommerzielle Transrapid-Strecke in Schanghai sind schwieriger als erwartet. Über den Preis des Auftrages herrscht Uneinigkeit. Das deutsche Konsortium Transrapid International der Firmen Thyssen-Krupp und Siemens fordert eine anteilige Berücksichtigung der Entwicklungskosten von bislang rund drei Milliarden Mark. Doch die chinesische Seite lehnt diese Vorstellung ab. Jetzt ist fraglich, ob der Auftrag termingerecht am Freitag dieser Woche von chinesischer Seite vergeben wird.

Wochenlang hatte es im Pekinger Umfeld des Konsortiums geheißen, der Vertrag werde am 15. Dezember unterzeichnet. Auch in Berlin hatte sich Transrapid International noch am letzten Wochenende optimistisch geäußert, die Verhandlungen noch in diesemJahr abschließen zu können. Unterdessen berichten deutsche Geschäftsleute in Peking mit gutem Zugang zu den Mitgliedern des Konsortiums von schwierigen Verhandlungen, die angeblich zwar nicht das Projekt gefährdeten, aber eine Verzögerung von einigen Tagen oder Wochen nach sich ziehen könnten.

"Absolut kein Kommentar", sagte dazu der China-Repräsentant von Thyssen-Krupp, Hartmut Heine. Auch bei Siemens ist niemand auskunftswillig. Deren Chef für Transportsysteme in der Region Ost- und Zentralasien, Günter Weckerlein, hatte am Rande einer Informationsveranstaltung Ende Oktober vor deutschen Geschäftsleuten in Schanghai dem Handelsblatt gesagt, die rechtzeitige Auslieferung der Technik - vier Züge mit je sechs Sektionen, dazu Antriebe, Magnete, Weichen und Signaltechnik - sei nur dann bis Ende 2002 möglich, wenn der Auftrag vor Weihnachten erteilt werde. Dies ist nun fraglich.

Zweifel am Zeitplan waren schon vor Wochen bei eingeweihten Finanzinstituten aufgetaucht. Ein erster Hinweis aus dem Konsortium, das zu den schwierigen Verhandlungen jetzt beharrlich schweigt, kam vor etwa drei Wochen. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sagte ein nicht genannter Sprecher der Industrie-Gruppe, "eine Einigung sollte möglich sein. Falls es Differenzen beim Preis gibt, muss eine Seite Zugeständnisse machen".

Die Machbarkeitsstudie für den Bau des Transrapid zwischen dem neuen Flughafen Pudong und der Innenstadt Schanghais wurde am 20. November der Stadtregierung von Schanghai präsentiert und von chinesischer Seite abgesegnet. Den Auftrag für die Studie hatte Chinas Ministerpräsident Zhu Rongji nach einer Testfahrt mit dem Transrapid während seines Deutschland-Besuchs Anfang Juli unterzeichnet. Bislang hieß es in gut informierten Kreisen aus dem Transrapid-Konsortium, am 1. Januar 2001 solle der Bau der 35 km langen Strecke beginnen.

Die Trasse selbst würde von den Chinesen gebaut. Ihre Kosten werden auf rund 700 Millionen Mark veranschlagt. Die aus Deutschland zu liefernde Technologie hätte einen Lieferumfang von bis zu zwei Milliarden Mark. Die Chinesen wollen, dass der Transrapid auf der Strecke, die er in sieben Minuten zurücklegen könnte, Ende 2002, spätestens aber am 1. Januar 2003 fährt. Anfang 2004 soll der zweite Teil der Doppelspur fertig werden.

Erhält das Transrapid-Konsortium den Zuschlag für die Strecke in Schanghai, winken zusätzliche Aufträge aus China. Denkbar sind eine Verlängerung der Strecke in Schanghai in die Touristenhochburg Hangzhou an der Ostküste sowie nach Nanjing, einem Industriezentrum am Jangtse.

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