Wirtschaft : Transrapid: Die Magnetschwebebahn kommt in China zum Zug

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Nach monatelangen Verhandlungen scheinen die Weichen für den Transrapid in China gestellt: In einem Gespräch mit dem chinesischen Premier Zhu Rongji habe das Transrapid-Konsortium am Sonntag in Peking den Auftrag zum Bau der Strecke für die Magnetschwebebahn zwischen dem Flughafen und dem Zentrum von Schanghai erhalten, teilte das Konsortium Transrapid International in Berlin mit. Der Vertrag soll am Montag in Peking unterzeichnet werden. "Für den Transrapid ist das der Durchbruch. Dieser erste kommerzielle Auftrag wird auch die Gespräche über weitere Projekte beeinflussen", sagte der Sprecher des Konsortiums, Peter Wiegelmann, dem Tagesspiegel.

Die Einigung kam nach Angaben des Sprechers ohne finanzielle Zusagen der deutschen Bundesregierung über ein zinsgünstiges Darlehen zustande. Er schloss allerdings nicht aus, dass es in dieser Frage noch weitere Gespräche geben könnte. "Die chinesischen Auftraggeber scheinen aber entschlossen, das Projekt in jedem Fall durchzuziehen", sagte Wiegelmann. Zu den Kosten und den Details der Finanzierung wollte er sich noch nicht äußern. Einzelheiten sollen am Montag mitgeteilt werden. Ein Sprecher der beteiligten Siemens AG sagte, der Auftrag sei kein Prestige-Objekt, für das Verluste in Kauf genommen würden.

Bislang war für die 30 Kilometer lange Strecke zwischen dem Stadtzentrum Schanghai und dem Flughafen Pujong ein Kostenrahmen von rund 2,6 Milliarden Mark im Gespräch gewesen. Das Transrapid-Konsortium, zu dem nach dem Ausscheiden von Adtranz nur noch Siemens und Thyssen-Krupp gehören, wird dazu die Züge und die Antriebstechnik liefern. Für den Bau der Trasse, der mit etwa einer Milliarde Mark veranschlagt wird, zeichnet ein chinesisches Konsortium unter Leitung der Stadtregierung von Schanghai verantwortlich, das auch später den Betrieb übernehmen soll. Die Trasse soll im Jahr 2003 fertiggestellt werden.

Das Projekt habe auch für die chinesische Seite Demonstrationscharakter, hieß es. Noch im Jahr 2003 solle über eine Verlängerung der Trasse entschieden werden. In Betracht kämen sowohl eine 200 Kilometer lange Strecke von Schanghai nach Hangzhou als auch die bereits seit längerem diskutierte 1300 Kilometer lange Verbindung zwischen Schanghai und Peking.

Die chinesischen Auftraggeber seien "harte Verhandlungspartner" gewesen, sagte Wiegelmann. In den vergangenen Wochen habe es nochmals "intensive Gespräche" auf höchster Ebene gegeben. Auf Seiten des deutschen Konsortiums seien die Abschlussverhandlungen von Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer und dem Mitglied des Bereichsvorstandes der Siemens Transportation, Hans-Dieter Bott, sowie Thyssen-Krupp-Vorstandsmitglied Heinrich Igelbüscher geführt worden. Zum Transrapid-Konsortium zählt neben Siemens und Thyssen-Krupp formal noch die Daimler-Chrysler Tochter Adtranz. Adtranz, das an die kanadische Bombardier-Gruppe verkauft werden soll, hat aber seinen Ausstieg aus der Gruppe angekündigt und ist an der Schanghai-Strecke nicht mehr beteiligt.

Der Durchbruch in China werde auch den übrigen Projekten Auftrieb verleihen, sagte Wiegelmann. Vor allem in den USA "sind die Chancen sehr, sehr gut". Noch Mitte vergangener Woche, unmittelbar vor der Amtsübergabe an die neue US-Regierung, habe der scheidende US-Verkehrsminister Rodney Slater eine weitere Vorentscheidung getroffen: In der engeren Wahl sind nun nur noch zwei Projekte, eine Strecke zwischen Baltimore und Washington sowie eine Flughafenanbindung in Pittsburg. Die US-Regierung hat für die Unterstützung einer Hochgeschwindigkeits-Verbindung bereits eine Milliarde Dollar in den Haushalt eingestellt.

Hoffnung macht sich das Konsortium auch weiterhin in Deutschland. Geprüft werden derzeit eine Verbindung vom Stadtzentrum München zum Flughafen sowie das so genannte "Metrorapid"-Projekt zwischen Dortmund und Düsseldorf. Die Bundesregierung hat nach dem Scheitern des Projektes Berlin-Hamburg 5,1 Milliarden Mark für alternative Einsatzmöglichkeiten reserviert. Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) begrüßte am Sonntag die Entscheidung in China. "Das Ergebnis zeigt, dass das Engagement der Bundesregierung für den Transrapid in China richtig gewesen ist." Die Entscheidung werde auch Impulse für weitere Vorhaben in Deutschland geben. "In Kürze wird der Auftrag für eine vertiefte Machbarkeitsstudie zu den deutschen Projekten erteilt", kündigte er an. Eine Entscheidung soll im Jahr 2002 fallen.

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