Wirtschaft : „Trauernde wollen feste Orte“

Der Trend zur Urne verändert die Branche.

Foto: Mike Wolff
Foto: Mike Wolff

Herr Bajzek, mehr als die Hälfte der Menschen wird mittlerweile in einer Urne begraben. Was verändert sich für Sie?

Für einen Bestatter verändern sich die Tätigkeiten unwesentlich: Bei der Erdbestattung holt man den Verstorbenen ab, dieser wird in den eigenen Räumen hygienisch versorgt und bis zur Überführung zum Friedhof in Kühlräume eingestellt. Jetzt verändert sich der Ablauf: Nach der Abholung wird der Verstorbene hygienisch versorgt, bis zur Überführung zum Krematorium in die Kühlung eingestellt und die Urne wird vom Krematorium wieder abgeholt. Wir haben dadurch mehr Fahrten, die zusätzliche Kosten verursachen. Auf die veränderten Kosten für den Friedhof haben wir keinen Einfluss, wir leiten diese Gebühren lediglich an die Hinterbliebenen weiter.

Welche alternativen Bestattungsmöglichkeiten bieten sich durch die Urnen?

Mit einer Urne ist mittlerweile fast alles möglich: Bestattungen eines Teils der Asche im Weltraum oder der gesamten Asche auf Weinbergen in Ungarn. Man kann auch einen Erinnerungsdiamanten aus einem Teil der Asche anfertigen lassen. Die Nachfrage für diese Angebote ist aber im Promillebereich. Ich glaube auch nicht, dass solche ausgefallenen Wünsche häufiger werden. Ich glaube eher, dass es wieder kippen wird: Trauernde wollen feste Orte zum Gedenken haben. Wir haben es immer wieder erlebt, dass Angehörige im Nachhinein einen konkreten Ort zum Trauern vermissen.

Mittlerweile werden Bestattungen für unter 1000 Euro angeboten. Warum sollte man eigentlich noch zu Ihnen gehen?

Die Billiganbieter sind das große qualitative Problem der Branche, da diese überwiegend mit Subunternehmern arbeiten. Das ist der totale Gegensatz zu Traditionsunternehmen wie dem unseren. Alle Dienstleistungen werden von unseren Mitarbeitern durchgeführt und die Hinterbliebenen bekommen am Ende keine Rechnungen von Subunternehmen, die sie gar nicht kennen.

Wo ist das Problem?

Bestattungen sind ein extrem sensibler Bereich. Wir sind für den würdevollen Umgang mit den Verstorbenen und auch die bestmögliche Unterstützung und Betreuung der Hinterbliebenen verantwortlich. Unsere Mitarbeiter werden ausgebildet und nach Tarifvertrag bezahlt. Ich glaube, in Berlin sind wir die Einzigen, die noch mit drei Personen zur Überführung eines Verstorbenen kommen. Die braucht man aber, wenn man einen Verstorbenen angemessen im Sarg transportieren möchte. Viele andere sind Ein-Mann-Unternehmen und ziehen den Leichnam dann mit einem Leinentuch in den Sarg.

Gerhard Bajzek, 47, ist Regionaldirektor bei Grieneisen Bestattungen, dem Marktführer in Berlin. Hier beschäftigt das Unternehmen 125 Mitarbeiter. Mit ihm sprach Fritz Zimmermann.

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