Wirtschaft : Trauerstimmung zum Jubiläum

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Von Carsten Brönstrup

Übermorgen feiert das TVPublikum ein ganz besonderes Jubiläum: Das Fernsehen wird 50 – doch die deutsche Wirtschaft ist bei diesem Festtag nur noch Zaungast. Grundig, Pionier bei der Herstellung von TV-Geräten, hat den Großteil seiner Fabriken verkauft und lässt fast nur noch bei Fremdfirmen produzieren. Damit geht ein Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte zuende. Ein Apparat des Vorzeigeunternehmers Max Grundig gehörte jahrzehntelang zur Standardausstattung in deutschen Wohnzimmern. Doch seit Anfang der neunziger Jahre wird der Markt mit Geräten aus Fernost überschwemmt, stürzt der Preis für Flimmerkisten ins Bodenlose, laufen Elektronik-Supermärkte kleinen Händlern den Rang ab. Grundig ist seitdem ein Dauer-Sanierungsfall, weil die Gewinnmargen zu klein sind.

Der Verkauf des Fernseher-Geschäftes muss dennoch nicht den endgültigen Niedergang Grundigs bedeuten. Der Weg für den Einstieg eines finanzkräftigen Investors bei dem nahezu insolventen Hersteller ist nun frei, weil zu teuer produzierende Sparten wie das Wiener TV-Werk abgestoßen sind. Und die Produktpalette mit vielen innovativen Unterhaltungselektronik-Geräten kann es mit der Konkurrenz von Sony und Co. durchaus aufnehmen. Allein, die Marke hat den Nimbus von einst verloren. Bekannt ist der Name Grundig nur noch im deutschsprachigen Raum. Doch dieser Markt ist zu klein, um große Stückzahlen preiswert herstellen und im Wettbewerb bestehen zu können. Die Grundig-Manager müssen deshalb eine neue, expansive Strategie vorlegen, wenn es nun bald gelingt, einen Investor ins Unternehmen zu holen. Sonst kommt endgültig der Sturz in die Bedeutungslosigkeit.

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