Wirtschaft : Traumschiff für Gründer

Vor der Küste Kaliforniens soll ein schwimmendes Zentrum für Jungunternehmer entstehen.

Daniel Schnettler (dpa)

New York - Die Idee klingt verrückt, aber im Land der unbegrenzten Möglichkeiten könnte sie funktionieren: Ausländische Gründer von Technologiefirmen, die in den USA keine Arbeits- oder Aufenthaltserlaubnis bekommen, sollen sich künftig auf einem Schiff nahe dem Hightech-Tal Silicon Valley einquartieren können – und das völlig legal, denn das „Traumschiff für Firmengründer“, wie es die Moderatorin des Wirtschaftssenders Fox Business nannte, soll zwölf Meilen vor der Küste und damit außerhalb der Reichweite der US-Einwanderungsbehörde ankern.

Max Marty, Sohn kubanischer Einwanderer, ist der Kopf des Projekts „Blueseed“. Er kennt selbst Fälle, wo talentierte ausländische Kommilitonen nach ihrem Abschluss das Land verlassen mussten. Er versucht nun mithilfe des bekannten Start-up-Finanziers Peter Thiel das Geld für den Bau des Schiffs aufzutreiben. „Wir haben schon einige Investoren“, sagte er zu Fox Business. „Die Dinge sehen gut aus.“ Wie die schwimmende Ideenschmiede einmal aussehen soll, ist offen.

Entwürfe reichen von einem umgebauten Containerfrachter mit Aufbauten im Stile eines ostdeutschen Plattenbaus über ein ölplattformähnliches Konstrukt bis hin zu einer Art Kreuzfahrtschiff, dessen abgerundete Formen an die Handschrift von Stardesigner Luigi Colani erinnern. In der Luxus-Variante soll der Pott einen großen Pool, einen Fußballplatz und eine Parklandschaft samt Bäumen besitzen. Ein Hubschrauberlandeplatz gehört auf jeden Fall dazu.

Ende 2013 sollen die Ersten einziehen. Für den Schlafplatz in der Vier-Mann-Kajüte und einen Schreibtisch im Großraumbüro müssen sie dann mindestens 1200 Dollar (900 Euro) berappen – das ist weniger, als eine kleine Wohnung im nahen San Francisco kostet. Für eine höhere Miete gibt es auch ein Einzelquartier. Für die Verpflegung an Bord ist gesorgt, es soll auch ein Postamt und natürlich Hochgeschwindigkeits-Internet per Satellit oder Unterseekabel geben. Für die physische Verbindung zum Festland sorgt eine Fähre. Denn mit Touristen- oder Geschäftsvisum sollen kurze Trips in die USA möglich sein.

Das Schiff wird für seine Bewohner aber keine Dauerbleibe sein: Die Hoffnung ist, dass sich durch die Nähe zum Silicon Valley rasch Geldgeber für die einzelnen Firmengründungen finden – das würde es erleichtern, auch von den Behörden im Land geduldet zu werden.

Doch noch existieren von dem Silicon- Valley-Ableger auf See nicht viel mehr als ein paar Skizzen. Kritiker bemängeln, das Projekt sei zu teuer und das Leben auf See zu gefährlich, schließlich müsse das Schiff auch schweren Stürmen trotzen können. Die Macher von „Blueseed“ beruhigen: Eigentlich sei das Leben auf dem Schiff sogar sicherer als an Land. Denn um Erdbeben oder Tsunamis müssten sich die Menschen hier keine Sorgen machen. Daniel Schnettler (dpa)

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