Wirtschaft : Trichet-Mission soll Versöhnung in der Bankenschlacht erreichen

ERIC BONSE

PARIS . Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche trafen sich am Montag abend in Paris die Chefs der drei Großbanken Société Générale (SG), Banque Nationale de Paris (BNP) und Paribas, um über einen Ausweg aus der französischen "Bankenschlacht" zu beraten. Vom Ausgang der Gespräche hängt die Zukunft des französischen und europäischen Finanzmarkts ab. Sollte am Ende ein "nationaler Champion" stehen, könnte dies das zersplitterte französische Bankwesen stärken, grenzüberschreitende Fusionen in Euroland aber behindern.

Argwöhnisch beäugen Beobachter vor allem den Versuch der Pariser Linksregierung, die drei Streithähne zu einer gütlichen Einigung zu bewegen. In der vergangenen Woche hatte der Leiter der französischen Bankenaufsicht, Notenbankgouverneur Jean-Claude Trichet, überraschend die Übernahme-Angebote der drei Großbanken annuliert. SG-Chef Daniel Bouton, BNP-Präsident Michel Pébereau und Parisbas-Chef André Lévy-Lang sollten sich an einen Tisch setzen, um einen Konsens zu suchen, verlangte Trichet.

Finanzminister Dominique-Strauss-Kahn sekundierte: Es gelte, im "nationalen Interesse" eine "verhängnisvolle Übernahmeschlacht" zu verhindern. Dem Staat komme dabei die Rolle zu, die Spielregeln zu definieren, so Strauss-Kahn. Nirgendwo, nicht einmal in den liberalsten Staaten, werde der strategisch wichtige Bankensektor Ausländern überlassen, fügte der Sozialist hinzu. Er sei optimistisch, daß die Trichet-Mission zu einer "Versöhnung" und zu einem "vernünftigen Resultat" führe.

Die ersten Ergebnisse der staatlichen Vermittlung bestätigen indes eher die Kritiker der typisch französischen Intervention. Kaum, daß die Vorladung bei Notenbankchef Trichet bekannt wurde, gerieten die Aktien der Großbanken unter Druck. In nur drei Tagen verloren BNP, SG und Paribas insgesamt 30 Mrd. Franc (8,91 Mrd. DM) an der Börse - fast so viel, wie sie seit Beginn der Übernahmeschlacht im März zugelegt hatten.

Einer Lösung kamen die rivalisierenden Großbänker indes keinen Schritt näher. Zwar trafen sie sich brav bei Oberaufseher Trichet - doch nur, um ihre altbekannten Positionen zu wiederholen. Am Donnerstag, einen Tag nach dem ersten Konsensgespräch, bekräftigte die Société Générale ihr freundliches Übernahmeangebot gegenüber Paribas. SG hatte dieses Angebot kürzlich um 1,5 Mrd. Euro aufgestockt, um der BNP den Appetit zu verderben. Paribas zeigte sich mit diesem erhöhten Angebot zufrieden und forderte die Bankenaufsicht auf, das geplante Tête-à-tête nicht länger zu blockieren.

Erfreut über die staatliche Einmischung zeigte sich lediglich die BNP, die je ein feindliches Übernahmeangebot an SG und Paribas vorgelegt hat. "Wenn die Verhandlungen erfolgreich sind, dann ist das eine gute Sache - wenn nicht, dann entscheidet der Markt", heißt es im Hause Pébereau. Eine Klärung der verfahrenen Lage wird möglicherweise schon am heutigen Dienstag erwartet. Finanzexperten rechnen damit, daß die Streithähne Farbe bekennen werden. Zur Entscheidung stehen zwei Modelle: Entweder kommt es doch noch zur ursprünglich geplanten Zweierfusion SG-Paribas. Oder aber Trichet setzt sich mit seinem Vorschlag durch, wonach SG und BNP eine gemeinsame Holding gründen, in die die verschiedenen Geschäftsbereiche von Paribas aufgehen sollen.

Sollte es nicht zu einer Einigung kommen, dann wird die Sache kompliziert. Denn bisher steht nur für das Übernahmeangebot der BNP an die SG eine Frist fest - der 21. Juli. Wann die Schlacht um Paribas geschlagen wird, um die sich sowohl BNP als auch SG bewerben, ist völlig offen.

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