Wirtschaft : Trikotwechsel bei Bremen und München

Streit um Werbung von Wettanbieter „bwin.de“

F. Bachner/S. Hudemann

Berlin - Noch hat die Fußball-Bundesliga Sommerpause, doch schon jetzt gibt es Streit darüber, was Erstligist Werder Bremen und Zweitligist TSV 1860 München demnächst auf ihre Trikots schreiben dürfen.

Hauptsponsor beider Vereine ist der private Wettanbieter „betandwin“. Nachdem das Bundesverfassungsgericht im März ein kritisches Urteil über das Wettgeschäft gefällt hat, dürfen die Bundesligisten mit dem Namenszug „betandwin“ nicht mehr werben. Das Stadtamt Bremen hat Werder dieses in einer Verfügung untersagt. Der TSV 1860 München hat zwar vom bayerischen Innenministerium noch kein offizielles Werbeverbot erhalten, aber eine entsprechende Drohung ist schon ergangen. Nach Ansicht der Behörden ist die medienwirksame Werbung für Sportwetten auf Trikots illegal. Der Ausweg: Nun schreiben die Vereine „bwin.de“ auf ihre Trikots.

Auch das Unternehmen „betandwin“ will sich am 1. August in „bwin.de“ umbenennen. Die Trikots aber werden sofort geändert. „Damit stehen wir erst mal auf der sicheren Seite“, sagt Stefan Ziffzer, Geschäftsführer des TSV 1860 München. Werder Bremen hat Widerspruch gegen die Anordnung eingelegt.

Hintergrund des Streits ist das Sportwetten-Urteil des Verfassungsgerichts. Das Gericht hatte entschieden, das staatliche Wettmonopol sei nur mit dem Grundgesetz vereinbar, wenn es dem Schutz der Bevölkerung vor den Gefahren des Glücksspiels diene. Es sei aber verfassungswidrig, wenn es dem Staat vor allem um Einnahmen gehe. Bis Ende 2007 muss eine Neuregelung kommen. Entweder fällt das Monopol und der Markt wird für Private geöffnet, oder der Gesetzgeber gestaltet die staatliche Wette Oddset so, dass sie keine neue Kunden anzieht. Für die Übergangszeit muss der Staat nach Maßgabe des Verfassungsgerichts die bisherige Werbepraxis ändern. Während Oddset seitdem deutlich zurückhaltender geworden ist, hat „betandwin“ eine massive PR-Kampagne gestartet.

Der börsennotierte internationale Online-Anbieter ist im vergangenen Jahr rasant gewachsen. Sowohl beim Gaming-Umsatz als auch bei den Bruttoerträgen wurden dreistellige Zuwachsraten erreicht. Im Jahr 2000 betrug der Umsatz noch 17 Millionen Euro, im ersten Quartal dieses Jahres waren es gut 485 Millionen Euro. Dass „betandwin“ in Deutschland überhaupt Sportwetten anbieten darf, ist weitgehend unstreitig. Der sächsische Anbieter arbeitet mit einer gültigen Lizenz aus DDR-Zeiten. Fraglich ist jedoch, wie offensiv die privaten Anbieter nach dem Urteil noch werben dürfen.

Während die Behörden diese Erlaubnis sehr eng auslegen, sagt Ziffzer: „Ich kenne kein Gesetz, das ein in der EU zugelassenes Produkt in Deutschland verbietet.“ Für seinen Verein hatte „betandwin“ enorme Bedeutung. Denn der TSV 1860 München stand vor wenigen Monaten kurz vor der Insolvenz. Das Werbegeld hatte wesentlich dazu beigetragen, dass der Verein doch noch die Bundesliga-Lizenz erhielt. Der Umweg über „bwin.de“ bietet noch keine endgültige Sicherheit. Sollte „bwin.de“ in irgendeiner Form Sportwetten anbieten, dann gelte das Werbeverbot auch für dieses Logo, sagte Manfred Müller, Marketingchef von Werder Bremen.

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