Wirtschaft : Triumphaler Abschied für scheidenden BMW-Chef

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Mit stehenden Ovationen haben rundum zufriedene Aktionäre der Bayerische Motoren Werke (BMW) AG bei ihrer diesjährigen Hauptversammlung Konzernchef Joachim Milberg an seinem letzten Arbeitstag verabschiedet. Drei Jahre nach dem Höhepunkt der Rover-Krise habe der aus Gesundheitsgründen in den Aufsichtsrat wechselnde BMW-Lenker "in atemberaubender Geschwindigkeit" die Trendwende geschafft und erstaunliche Rekordzahlen präsentiert, lobte ein Aktionärsvertreter in der Münchner Olympiahalle. "Sie waren für BMW ein Glücksfall," sagte ein anderer Aktionär.

"Daimler-Chrysler hat Schrempp und Ärger, BMW hat Milberg und Erfolg," bemerkte ein Kleinaktionär unter dem Beifall von Miteignern. "Sie haben Großartiges geleistet," urteilte auch BMW-Aufsichtsratschef Volker Doppelfeld, der Milbergs bescheidene Art, seine Besonnenheit und Entschlossenheit hervorhob. Er habe BMW Identität und Selbstbewusstsein zurückgegeben.

Der derart gefeierte Manager nahm das gesammelte Lob sichtlich gerührt mit einer Träne im Augenwinkel, aber auch selbstsicher entgegen. "Die Marke BMW ist stärker als je zuvor," stellte Milberg zu seinem Abschied fest. Er zeigte sich zuversichtlich, dass der weiß-blaue Konzern auch unter seinem Nachfolger und bisherigen BMW-Finanzchef Helmut Panke, der für Kontinuität stehe, auf der Überholspur bleibt.

Nach vier Monaten des laufenden Jahres habe der Luxuswagenbauer trotz der Flaute auf den Kfz-Märkten seine Auslieferungen von Autos der Marken BMW und Mini global um fast ein Fünftel auf über 355 000 Einheiten gesteigert. Damit steuere BMW nach dem vorjährigen Auslieferungsrekord von über 900 000 Autos 2002 auf erstmals gut eine Million Verkäufe zu.

Auch bei Umsatz und Gewinn stellte der scheidende Milberg neue Spitzenwerte in Aussicht, ohne sie zu beziffern. Im Vorjahr, dem ersten vollen Jahr ohne Belastung durch die Ex-Tochter Rover, hatten die Bayern bei 38,5 Milliarden Euro Umsatz knapp 1,9 Milliarden Euro Jahresüberschuss erzielt.

Eine wichtige Rolle auf dem Weg zu neuen Rekorden spiele das neue 7er-Modell als Flaggschiff, sagte Milberg. Die am Markt und von einzelnen Aktionären als übertechnisiert kritisierte Neuversion des Luxuswagens sei in den ersten sechs Monaten seit seiner Einführung vorigen November über 17 000 mal verkauft worden.

Verglichen mit seinem Vorgänger liege der Absatz des Topmodells damit bislang um 17 Prozent höher. Erfolgreich sei der Konzern mit dem Kleinwagen Mini auch am unteren Ende seiner derzeitigen Modellpalette. Wegen hoher Nachfrage würden die prognostizierten Absatzzahlen für den in Großbritannien gefertigten Mini nun von jährlich100 000 Stück um 15 bis 20 Prozent nach oben korrigiert. Die Produktionskapazität im Werk Oxford sei jedenfalls auf 120 000 Stück erhöht worden.

Im kommenden Jahr will BMW mit der Übernahme der Markenverantwortung für die britische Nobelmarke Rolls-Royce auch im absoluten Topsegment mit einer neuen Limousine für Furore sorgen. Bis 2008 bringe der Konzern unter anderem mit der neuen 1er-Reihe insgesamt 20 neue Autos auf den Markt und verdopple damit seine Modellpalette, sagte Milberg. Das bedinge zehn Milliarden Euro Entwicklungskosten und Investitionen von 16 Milliarden Euro, die BMW aus dem Cash-flow finanziere. Die exklusiv auf das Premiumsegment ausgerichtete Modelloffensive soll den Absatz binnen sechs Jahren um rund ein Drittel steigern und den Konzernumsatz in Dimensionen von über 50 Milliarden Euro hieven.

Ein zentrales Element dieser Wachstumsstrategie ist das neue Werk in Leipzig, das 2005 mit der Produktion beginnt. Milberg zeigte sich zuversichtlich, dass die EU-Kommission dafür beantragte Fördergelder von 456 Millionen Euro genehmigt. Insgesamt kostet das Projekt, das allein bei BMW 5500 Arbeitsplätze schafft, rund 1,3 Milliarden Euro. Derzeit beschäftigen die Bayern weltweit 98 000 Mitarbeiter.

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